Chaos auf der Stammstrecke: Deswegen verspäten sich die S-Bahnen mehr als 40 Minuten

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Auch ärztliches Irren ist menschlich

- Behandlungsfehler im Krankenhaus - für viele Mediziner totgeschwiegener Klinikalltag. "Aus einer Ansammlung banaler Fahrlässigkeiten wird schnell ein Super-Gau in der Presse", resümiert Professor Martin Hansis, Qualitätsmanager im Rhön-Klinikum Bad Neustadt beim 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) in München.

<P>"Je trivialer der Fehler, desto häufiger", meint er: Der Ambulanzbrief wurde falsch verfasst, bei kurzem stationären Aufenthalt trifft die Röntgenaufnahme erst nach Entlassung ein. Flaschen gleicher Größe und ähnlicher Etikettierung werden verwechselt: Täter unbekannt. Aus Angst vor einem Gutachterstreit, den resultierenden Sanktionen, die bis zum Berufsverbot führen können, herrscht Stille.</P><P>Fehler sind menschlich, bei Ärzten aber unverzeihbar; eine weit verbreitete Meinung. "Dabei lernt man doch aus Fehlern. Ich frage meine Mitarbeiter abends ob sie etwas falsch gemacht haben. Bei einem "Nein" sage ich: Schade, heute nichts gelernt!" Professor Daniel Scheidegger ist Chefanästhesist am Universitätsspital Basel. Ihn ärgerte, dass die Angst vorm Gutachter den Kollegen die Lippen zusammenschnürte. Er entwickelte CIRS (Critical Incident Reporting System), ein online Zwischenbericht-System. CIRS basiert auf Gewährleistung der Anonymität. CIRS fragt nicht wer berichtet, CIRS ist eine Art Chat: Ist einem Operateur ein Fehler unterlaufen, kann er ein Diskussionsforum eröffnen und kollegiale Tipps einsehen - ohne Angst entlarvt zu werden. "Bei uns hatte ein Pfleger seine Beobachtungen notiert. Daraufhin haben wir ganze Abläufe einer OP geändert", erzählt Scheidegger. Es habe zwar lange gedauert bis CIRS angenommen wurde, heute kämen zirka 15 Leute wöchentlich hinzu.</P><P>Seit der Einführung in der Basler Anästhesie ist in der Schweiz viel passiert: Nach zwei "Presse-Super-Gaus" wurde die landesweite Nutzung der Fehlerselbstverwaltung staatlich angeordnet. "Sie sollten sich beeilen", mahnt Scheidegger seine deutschen Kollegen, "bevor ihnen das System staatlich übergestülpt wird." <BR><BR>Aus Fehlern lernen: Falsche Behandlungswege öffentlich machen und Anonymität bewahren.<BR><BR>Internet: www.cirsmedical.org</P>

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