Auch Europa wirft jetzt ein Auge auf den Mars

- München - Europas Marsforscher atmen auf: Endlich hat auch die Sonde "Mars Express" erste Bilder vom Roten Planeten geliefert. Noch ein paar Tage werden die Bilder wie ein Geheimnis gehütet und rein wissenschaftlich ausgewertet. Anfang nächster Woche werden sie dann der Öffentlichkeit präsentiert.

<P>Am Wochenende trafen die ersten Bilddaten der Sonde "Mars Express" im Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt ein. Sie wurden von der hochauflösenden Stereo-Kamera gemacht. "Die Bilder von der Marsoberfläche beweisen, dass die Kamera einwandfrei arbeitet", erklärte gestern der Erfinder des Kamera-Projekts, Professor Gerhard Neukum von der Freien Universität in Berlin.<BR><BR>Das Kamerasystem an Bord des "Mars Express" hat mehrere Kanäle. Die Stereo-Kanäle haben eine Auflösung von zehn Metern. Ein weiterer Kanal kann noch Strukturen von bis zu zwei Metern erkennen.<BR><BR>"Auch zwei andere wichtige Forschungsgeräte an Bord des ,Mars Express' funktionierten in der ersten Testphase ohne Probleme", erklärte Neukum erleichtert gegenüber unserer Zeitung. Es handelt sich um zwei Spektrometer, die geologische und atmosphärische Analysen durchführen sollen.<BR><BR>Die Befehle aus dem Kontrollzentrum Darmstadt an den Mars-Orbiter gelten zunächst jedoch vor allem der Stereo-Kamera: Sie liefert dreidimensionale Bilder zur Erde. <BR><BR>Die neuen Stereo-Bilder versprechen fantastische Einblicke in die Geologie des Roten Planeten: Man sieht staubtrockene Flusstäler und Meteoritenkrater oder betrachtet den größten Vulkan des Sonnensystems, den Olympus Mons, in dreidimensionaler Darstellung und zum Greifen nah. <BR><BR>Ende des Monats, wenn die ersten Bilder zusammengesetzt und ausgewertet sind, werden die 3D-Bilder veröffentlicht. Vorerst sind die Marsfotos zweidimensional.<BR><BR>"Weltweit werden die Daten an 43 Wissenschaftler-Teams geliefert, darunter zehn aus Deutschland", erklärt Neukum. Der Münchner Erdvermesser (Geodät) Professor Heinrich Ebner von der Technischen Universität München (TUM) und sein Doktorand Michael Spiegel haben dabei die Aufgabe übernommen, die Daten für die Kartografie auszuwerten. "Wir haben seit 1988 an diesem Projekt gearbeitet und freuen uns riesig, dass wir jetzt mit den Daten arbeiten können", meint Ebner.<BR><BR>Noch hat "Mars Express" nicht seine endgültige Umlaufbahn um den Roten Planeten erreicht. "Erst gestern haben wir noch eine Kurskorrektur durchgeführt", sagt Neukum. Jetzt umkreist der Orbiter den Mars in zehn Stunden auf einer elliptischen Bahn. Die Zeit wird aber noch auf sieben Stunden reduziert. Erst dann hat "Mars Express" seine "wissenschaftliche Umlaufbahn" endgültig erreicht. <BR>Trotz der einwandfreien Arbeit von Mars Express sind die Wissenschaftler skeptisch, dass der Orbiter noch Kontakt zum Landeroboter Beagle 2 herstellen wird. "Wenn wir wieder in etwa einer Woche über die vermutete Landestelle von Beagle 2 fliegen, dann werden wir hochauflösende Bilder von dem Gebiet machen und vielleicht die Airbags sehen, die Beagle abgebremst haben", meint Neukum. "Aber die Sonde noch zu finden, das ist wie die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen."</P>Noch mehr aktuelle Infos zur Mars-Expediton gibt es<BR>im Space-Special und Space-Forum von Merkur online

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