Das Auge hört mit

- Wenn ein ICE mit Windeseile herannaht und den Menschen die Hüte vom Kopf weht, dann ist dieses Ereignis ebenso wenig gewollt wie es laut ist.

<P>Besonders laut ist es dann, wenn der ICE rot gestrichen ist, sagt Professor Hugo Fastl, von der Technischen Universität München. Sein Lehrstuhl Mensch-und-Maschine-Kommunikation, war jetzt Gastgeber der 31. Deutschen Jahrestagung für Akustik (DAGA), der wichtigsten internationalen Fachmesse. Rund 900 Gäste waren an die TU gekommen.<BR><BR>Fastl beschäftigt sich mit der Technischen Akustik und erforscht mit seinem Team jetzt die Phänomene rund um das so genannte "sound quality design". Dazu gehört beispielsweise, warum ein roter ICE lauter wahrgenommen wird als ein grün eingefärbter Zug.<BR><BR>"Woran das liegt, kann man zumindest in den physiologischen Einzelheiten noch nicht erklären", sagt er. Sicher ist aber, berichtete der Akustikexperte, dass es keinen kulturellen Unterschied in dieser Wahrnehmung gibt. Denn erst kürzlich ist der Forscher von einer Expedition aus Japan von der Universität Osaka zurück gekehrt. Dort hat er festgestellt, dass die Japaner ebenfalls den roten ICE lauter wahrnehmen als einen anders farbigen Intercity Express. "Bekannt ist das ,farbige Hören' schon lange, man denke nur an den roten Ferarri," meint Fastl.<BR><BR>Psychoakustische Phänomene wie dieses, sind auf viele Bereiche anwendbar und werfen eine Menge interessanter Fragen auf: Ist der Baustellenkran auf einmal nicht mehr so laut, weil er cremefarben ist oder sollten die Rechner vielleicht in den Tönen gehalten werden, in denen sie am leisesten surren?<BR>Schallquellen gilt es zu fördern und zu bekämpfen</P><P>Auf der DAGA 05 war Psychoakustik aber nur ein Teil in der großen Welt des Schalls. Innovative Konzepte zur Umsetzung eines besseren sprachgesteuerten Navigationssystems gehörten dazu, ebenso wie die perfekte akustische Restaurierung des Theaters "La Fenice" in Venedig. Das weltberühmte Opernhaus soll orginalgetreu rekonstruiert werden und gleichzeitig modernsten Anforderungen entsprechen.<BR><BR>"Die Akustik ist eine uralte Disziplin", sagt Joachim Scheuren, der Mitglied der Tagungsleitung war und am Wiederaufbau der venezianischen Oper arbeitet. <BR>"Die Akustik ist heute eine besondere Herausforderung für Ingenieure. Die einen Schallquellen gilt es zu fördern, die anderen zu bekämpfen", sagt er. <BR>Innovationen gibt es auch im medizinischen Bereich der Akustik: So ist die Technik der Hörgeräte bereits so weit, dass die neuen digitalen Hörhilfen mittlerweile mehr hören als es das menschliche Ohr vermag. </P><P> </P>

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