Studie

Ausbau des schnellen Internets kostet Milliarden

Berlin - Im Prinzip sind sich alle einig, dass schnelle Internetverbindungen über Breitband ausgebaut werden sollen. Streit gibt es um die Kosten. Eine neue Studie zeigt: Der Ausbau wird richtig teuer.

Alle Haushalte in Deutschland mit schnellen Internetanschlüssen zu versorgen, würde einer Studie zufolge rund 20 Milliarden Euro kosten. Danach könnten alle Haushalte mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunden im Netz surfen, errechnete der TÜV Rheinland im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. Ein Ausbau allein mit superschnellen Glasfaserkabeln würde um die 90 Milliarden Euro kosten, heißt es in der am Dienstag vorgestellten Studie.

Dabei schlagen der Untersuchung zufolge die letzten fünf Prozent der Haushalte mit überdurchschnittlich hohen Kosten zu Buche. Sie ans schnelle Datennetz anzubinden, koste allein acht Milliarden Euro und damit 40 Prozent der gesamten Investitionen. Derzeit könnte gut die Hälfte der Haushalte (55 Prozent) mit 50 Mbit/s surfen, wie Zahlen des Wirtschaftsministeriums zeigen. Die schnellen Anschlüsse finden sich vor allem in den Städten. Der TÜV Rheinland berechnete die Kosten für die Anbindung der restlichen Bevölkerung.

In den Koalitionsverhandlungen wird derzeit diskutiert, wie viel der Staat zum Ausbau der schnellen Internetversorgung zuschießen soll. Am Montag verständigte sich eine Arbeitsgruppe von SPD, CDU und CSU darauf, eine Milliarde Euro zusätzlich dafür einzuplanen. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil pochte am Dienstag jedoch auf mehr Geld für den Ausbau in ländlichen Regionen. Auch ein Fonds mit festen Renditen, an dem sich die Bürger beteiligen können, sowie Programme der staatlichen KfW-Bank sind im Gespräch. Internetanbieter wie die Deutsche Telekom planen ebenfalls Milliardeninvestitionen in ihre Netze.

Die amtierende Bundesregierung hat sich vorgenommen, bis 2018 eine flächendeckende Versorgung mit Internetanschlüssen von 50 Mbit/s zu erreichen.

Die Fachleute des TÜV gehen davon aus, dass dazu verschiedene Techniken eingesetzt werden. Das sei „zwingend notwendig“. Die LTE-Funktechnik etwa sei wichtig, „da so Haushalte in Randlagen am kostengünstigsten erreicht werden können“. Sprich: In ländlichen Gebieten ist es kaum bezahlbar, Glasfaser- oder Kupferleitungen bis in jedes Haus zu legen. Hier soll die Funktechnik Abhilfe schaffen.

Kosten können auch mit dem sogenannten „Vectoring“ gespart werden. Dabei werden Glasfaserkabel bis zu den grauen Kabelverteilerkästen auf der Straße gelegt, die letzten Meter bis in die einzelnen Wohnungen oder Häuser laufen über Kupferkabel. Das bremst allerdings die Übertragungsgeschwindigkeit. Glasfaserkabel direkt bis in jeden Haushalt zu legen, würde zwischen 85 und 94 Milliarden Euro kosten.

Experten halten das Ziel von 50 Mbit/s nicht für ausreichend. In einer Umfrage von TNS Infratest unter IT-Fachleuten gaben fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) an, dass in fünf bis zehn Jahren Übertragungsraten von 300 Mbit/s und mehr erforderlich sein würden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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