Ein ausgeklügelter Klima-Ausgleich schützt den Körper

- Wer aus dem kühlen Deutschland nach Nordafrika reist, muss innerhalb weniger Stunden einen Temperaturanstieg um rund das Doppelte verkraften. Zwar ist unser Körper in der Lage, auch bei großen Schwankungen seine Arbeitstemperatur bei etwa 37 Grad zu halten. Doch diese Höchstleistung gelingt nicht immer, wie die Hitzewelle des Sommers 2003 zeigte. Mehr als 20 000 Menschen fielen in Europa der extremen Hitze zum Opfer, so die Zahlen der Münchener Rück.

<P> Vor allem alte und kranke Menschen sterben durch Hitze, mit der ein geschwächter Körper nicht mehr fertig wird. Die "Biomaschine Mensch" funktioniert aber nur reibungslos bei etwa 37 Grad. Ein geringer Anstieg führt zu Störungen, bei knapp über 40 Grad reagiert das Gehirn mit Verwirrtheit, spätestens bei 42 Grad kommt es zum tödlichen Hitzschlag.<BR> Für die konstante Betriebstemperatur des Körpers sorgt ein ausgeklügeltes Kühlsystem. Auf der äußeren Lederhaut sind rund 30 000 Temperaturfühler (Thermorezeptoren) verteilt. Sie senden ihre Messergebnisse an die Steuerungszentrale im Zwischenhirn. Der Stoffwechsel im Ruhezustand produziert allerdings so viel Wärme, dass ohne Kühlung die Körpertemperatur pro Stunde um ein Grad steigen würde.<BR><BR>Bei der Energiegewinnung arbeitet unser Organismus wenig effizient: Vier Kalorien aus Nährstoffen, wie Eiweiß, Kohlehydrate und Fett, müssen verbrannt werden, um eine Kalorie in Arbeit, etwa in Bewegung oder eben den Stoffwechsel, umzusetzen. Drei Viertel der Energie wird als Wärme freigesetzt. Anstrengung und Hitze erwärmen den Körper zusätzlich.<BR> Schon bei geringen Wärmeabweichungen reagiert der Temperaturregler im Gehirn. Bei Kälte befiehlt er der Muskulatur das Kältezittern und bei Hitze den Hautgefäßen, sich zu weiten, sodass dort mehr Blut zirkuliert. Das Blut transportiert die überflüssige Hitze in die Außenhaut, wo sie abgestrahlt wird. Reicht das nicht aus, ergeht Order an die zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen, Wasser aus dem Blut zu pumpen. Sofort tritt klarer, dünner und geruchloser Schweiß aus den Poren, verdampft auf der erwärmten Haut und entzieht dabei Hitze. <BR><BR>"Verdunstung ist ein äußerst effektives Kühlsystem", erläutert Josef Gross im Deutschen Medizin Forum: "Bei Anstrengung oder ab 29 Grad Außentemperatur fängt jeder Körper an zu schwitzen." Und alle, die bei Hitze im Meer, Freibad oder unter der kalten Dusche Linderung suchen, können es spüren: Der Wärmeaustausch in kaltem Wasser ist etwa 200-mal höher als an der Luft.<BR><BR>Ausgeschwitztes Wasser unbedingt nachfüllen <BR><BR>Durch die verstärkte Durchblutung der Haut kann jedoch der Blutdruck sinken, sodass das Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt wird. Die Folgen: Kopfschmerzen, Schwindel, Mattigkeit und Konzentrationsstörungen bis hin zu Fieberdelirien, Verwirrtheit oder Ohnmacht. Das ausgeschwitzte Wasser muss also unbedingt nachgefüllt werden. Wer nicht genug trinkt, riskiert, dass sein Blut zähflüssiger wird und dem ohnehin schon heftig pumpenden Herzen noch mehr Leistung abverlangt wird. <BR><BR> Auch in sehr schwülem Klima, bei dem die Luft so mit Wasserdampf gesättigt ist, dass der Schweiß nicht mehr verdunsten und die Haut kühlen kann, kann es zu einem lebensgefährlichen Hitzestau kommen.<BR><BR>Das Klima, in dem sich der Mensch wohl fühlt, ist nicht nur von der Umgebungstemperatur abhängig, sondern auch von Bewegung, Kleidung, Wind und Luftfeuchtigkeit. Experte Gross erklärt: "In einem Raum mit fünfzigprozentiger Luftfeuchtigkeit beträgt die Temperatur bei einem sitzenden, nackten Menschen 28 Grad, bei Büroarbeit 22 und in leichter Kleidung 25 Grad." Eine angenehme Temperatur, die uns hoffentlich noch dieser Sommer beschert.<BR></P>

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