Ausgezeichnete Forschung trotz knapper Kassen

- Es ist die höchstdotierte Auszeichnung für Wissenschaftler in Deutschland: Der Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Gleich drei der insgesamt neun Preisträger, die jeweils 1,55 Millionen Euro erhalten, stammen aus Bayern. Neben dem Verfahrenstechniker Wolfgang Peukert, der für seine Arbeiten über Mikro- und Nano-Partikel an der Uni Erlangen-Nürnberg ausgezeichnet wurde, erhielten auch zwei Münchner Forscher den begehrten Preis: Der Zellbiologe Peter B. Becker und der Röntgenastronom Günther Hasinger.

<P>Es ist kaum eine Woche her, dass Professor Peter B. Becker der Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft verliehen wurde. Auch wenn die mit 1,55 Millionen Euro dotierte Auszeichnung als wichtigster Forschungspreis in Deutschland gilt, gibt sich der Zellbiologe von der Ludwig-Maxilimians-Universität bescheiden.<BR><BR>"Der Preisträger ist nur die Spitze des Eisbergs", sagt der 46-Jährige. "Er steht auf den Schultern vieler, höchst motivierter Mitarbeiter."<BR><BR>Mit deren Hilfe und anhand unzähliger Drosophila-Fliegen untersucht Becker die Organisation des Erbguts im Zellkern. "Im nur zehn Mikrometer großen Kern jeder Zelle ist in der zwei Meter langen DNA die gesamte Erbinformation des Menschen gespeichert. Das ist natürlich ein Verpackungsproblem", erläutert Becker. Eine Chromatin genannte Protein-Struktur organisiert und verpackt das Erbgut so, dass es in die Zelle passt.<BR><BR>"Gleichzeitig übernimmt Chromatin auch das Informations-Management", erklärt der Lehrstuhlinhaber für Molekularbiologie weiter. Schließlich muss der Organismus zu jeder Zeit auf die Informationen zugreifen können, die für sämtliche Lebensvorgänge notwendig sind. Dafür muss die verpackte DNA-Struktur von Enzymen jeweils an der richtigen Stelle geöffnet werden.<BR><BR>Kommt es dabei zu Fehlern, kann Krebs entstehen. Becker erklärt: "Das geschieht zum Beispiel dann, wenn Gene, die verhindern würden, dass eine Zelle zur Tumorzelle wird, nicht abgelesen werden." Beckers Erkenntnisse könnten außer für das Verständnis der Tumor-Entstehung auch für Einblicke in die embryonale Entwicklung von Bedeutung sein. "Zwischen beiden Vorgängen gibt es viele Parallelen."<BR><BR>Gewöhnlicher Uni-Etat für Forschung zu gering</P><P>Mit dem Preisgeld, das er innerhalb der nächsten fünf Jahre investieren kann, will Becker die Ergebnisse aus der Forschung an den Fliegen nun systematisch auf den Menschen übertragen. "Wir arbeiten dabei mit mehreren klinischen Forschungsgruppen zum Beispiel in Großhadern und am Hämatologicum der GSF zusammen", so der Preisträger. Dank des Leibniz-Preises könne dieses Projekt nun "gepusht" werden.<BR><BR>Der gewöhnliche Etat der Universität sei dafür viel zu gering. "Der reicht gerade einmal, um die Einrichtung am Laufen zu halten."<BR><BR>Deshalb will Peter Becker nun auch die Gelegenheit nutzen, um den Gerätepark seines Instituts an der Schillerstraße nahe des Innenstadt-Klinikums auf den neuesten Stand zu bringen. "Auf unserem Wunschzettel stehen zum Beispiel teure Spezialgeräte wie Mikroskope und Zentrifugen", berichtet er.<BR><BR>Ins Ausland abzuwandern, kommt für ihn trotz der oft knappen Forschungsgelder aber nicht in Frage. "Auch wir konnten und können hier gute Forschung betreiben", ist sich Becker sicher. "Das zeigt sich ja auch daran, dass wir den Preis bekommen haben." <BR><BR>Als sehr angenehm empfindet es Becker, nun "ohne großen Vorlauf und mühsames Einwerben von Geldern Forschungsprojekte realisieren zu können". Gleichzeitig habe die Auszeichnung "eine gewisse Anspannung" zur Folge. "Wir dürfen die hohen Erwartungen an unsere Arbeit, die mit dem Preis verbunden sind, nicht enttäuschen."<BR><BR>Strenge Regeln für Veröffentlichungen</P><P>Mit Blick auf die Frankfurter Forscherin Stefanie Dimmeler, die den Leibniz-Preis wegen Unregelmäßigkeiten bei eigenen Publikationen zunächst nicht angenommen hat, betont Becker: "Gerade bei der Forschung auf höchstem Niveau müssen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis unbedingt eingehalten werden. Die DFG hat vielfach strenge Forschungsregeln formuliert."<BR><BR>Jeder, ob Preisträger oder nicht, der mit DFG-Geldern forscht, erkenne diese Regeln an. "Eine meiner Aufgaben als Arbeitsgruppenleiter ist es deshalb, sicherzustellen, das unsere Forschung nach diesen Regeln abläuft." <BR>Nicolas A. Zeitler<BR><BR><BR>Der Münchner Röntgenastronom Professor Günther Hasinger und seine Mitarbeiter vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching durften Zeugen eines ganz besonderen Ereignisses sein. Sie beobachteten, wie zwei Galaxien, viele Milliarden Lichtjahre entfernt von der Erde, zusammen stießen. Bei der Kollision entdeckte Hasingers Team zwei so genannte Schwarze Löcher, alle kosmische Materie, sogar das Licht verschlingende Gebilde, die sich irgendwann, vielleicht in 100 Millionen Jahren, vereinigen werden.<BR><BR>Für die Entdeckung und damit verbundene grundlegende Erkenntnisse zur Entwicklung von Sternen und Galaxien im frühen Universum, hat Hasinger, Direktor am Institut, den mit 1,55 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis erhalten.<BR>"Oft sind beim Wachstum Schwarzer Löcher gigantische Galaxienkollisionen mit im Spiel, bei denen sich zwei Milchstraßen und vermutlich auch ihre zentralen Schwarzen Löcher miteinander vereinigen", erklärt Hasinger.<BR><BR>Um solche Ereignisse, wie die Hochzeit zweier Galaxien, die sich viele Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt abspielen, zu beobachten, benutzen der Astrophysiker und seine Mitarbeiter spezielle Satelliten die mit Teleskopen ausgestattet sind, die die Röntgenstrahlung aus dem All aufzeichnen.<BR><BR>Diese Röntgenstrahlung, die nicht bis auf die Erde vordringen kann, entsteht bei extrem hohen Temperaturen in den aktiven Galaxien, wenn Sterne entstehen, sterben, oder Schwarze Löcher immer größer werden, indem sie sich gegenseitig auffressen.<BR><BR>Mit Hilfe der Röntgenstrahlenteleskope konnte das Garchinger Team zeigen, dass die größten Schwarzen Löcher, die so genannten "Quasare", in der Frühzeit des Universums vor mehr als zwölf Milliarden Jahren entstanden. "Unerwartet war für uns dabei die Erkenntnis, dass die kleinen Schwarzen Löcher, wie das unserer Milchstraße erst wesentlich später gebildet wurde", sagt der Astronom.<BR><BR>Hasinger hat an der Ludwig-Maximilians-Universität Physik studiert und 1984 in Astronomie promoviert. Nach seiner Habilitation 1995 ging er als Professor und Direktor des Astrophysikalischen Instituts nach Potsdam. Seit 2001 ist er Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching. Mit Hasinger hat erst zum zweiten Mal ein Röntgenastronom mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet worden. "Deshalb ist für mich die Auszeichnung eine besonders hohe Ehre, aber auch meinen Mitarbeitern gebührt daran ein großer Anteil", sagt der Himmelsforscher.<BR><BR>"Für die Finanzierung eines gesamten Weltraumprojekts wird das Preisgeld nicht ausreichen", meint Hasinger. Deshalb will er es zur Entwicklung neuer Technologien für die nächsten Weltraummissionen verwenden. Zudem wird er die Zusammenarbeit mit japanischen Kollegen intensivieren, die bald einen eigenen Röntgensatelliten ins All senden werden. Mit dem neuen Satelliten werden sich auch die Chancen der Garchinger Astrophysiker weiter erhöhen, bald wieder Zeuge von Galaxienhochzeiten in den Weiten unsres Universums zu werden.<BR>Thorsten Naeser<BR></P>

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