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Will mit einer neuen Idee den Internetmarkt aufrollen: Dirk Wertenbruch bringt Babyfotos ins Netz.

Früh übt sich: Netzwerk für Babybilder

Berlin - Die Debatte über Datensicherheit im Internet tobt heftig. Neues Konfliktpotential birgt "Filiyou": Ab sofort kann die virtuelle Karriere mit Bildern im Netz noch früher starten.

Soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ werden von den einen heiß geliebt, von den anderen verdammt. Ausgerechnet jetzt kommt der Wahlberliner Dirk Wertenbruch mit einem Internetportal für Babys auf den Markt. “Filiyou“ heißt seine Idee, die seit dem (heutigen) Mittwoch im Internet freigeschaltet ist. “Bilder des Nachwuchses per E-Mail zu verschicken ist veraltet und ganz schön penetrant“, sagt der Internetpionier Wertenbruch und betont: “Die Daten sind sicher.“

Das Konzept der “Social Networking Community“ ist vergleichsweise simpel. Wer Fotos von seinem Nachwuchs den Verwandten, Freunden oder Nachbarn mit einem Klick zugänglich machen will, meldet sich auf “filiyou.com“ an, bekommt eine vorgefertigte Homepage zur Verfügung gestellt, kann Baby-Fotos hochladen und die “Stammdaten“ wie Gewicht, Geburtsdatum und Größe bekanntgeben.

Das Ganze dauert nur ein paar Minuten, die Fotos können um ein Tagebuch ergänzt werden. Gut zwei Jahre hat der IT-Spezialist Wertenbruch an dem Projekt gearbeitet, der 39-Jährige schmiss seinen hoch dotierten Job beim amerikanischen Netzwerkausrüster Cisco, um sich ganz der Umsetzung seiner Idee zu widmen. “Es gibt kein Thema, das mehr kommuniziert wird als Geburt und Fortschritte des Nachwuchses“, sagt Wertenbruch, der nach eigener Beobachtung eine Marktlücke füllt. Dass es doch auch ein schnöder E-Mail-Verteiler tun würde, mit dem neue Baby-Fotos regelmäßig durch die Welt geschickt werden, lässt Wertenbruch nicht gelten.

“Das wird doch oft gar nicht angeguckt, weil man gerade mit etwas anderem beschäftigt ist. Und außerdem fehlt die Chronologie. Bilder verschicken ist old school“, erklärt er und hat dabei die Kernzielgruppe der 20- bis 35-Jährigen auch wegen ihrer hohen Internetaffinität im Blick. Sein Portal habe den Vorteil, dass man sich Nichten und Neffen, Enkel und Patenkinder anschauen könne, wenn einem gerade danach sei.

Keine persönlichen Daten sichtbar

Aufgeschreckt durch den teilweise nachlässigen Umgang mit persönlichen Daten in vielen sozialen Netzwerken muss sich auch Wertenbruch die Frage gefallen lassen: Was soll das? Ist solch ein Portal nicht eine Einladung für Pädophile? Der Betreiber verweist auf seinen Einsatz um den Datenschutz. “Mark Zuckerberg sagt, Datenschutz interessiert ihn nicht. Das sehe ich ganz anders“, erklärt Wertenbruch - selbst Nutzer der ersten Stunde - mit einem Seitenhieb auf den Gründer des Internet-Netzwerks Facebook. Um Missbrauch gar nicht erst aufkommen zu lassen, würden auf “Filiyou“ keine persönlichen Daten wie Nachname, Wohn- oder E-Mailadresse veröffentlicht.

Selbst der Vorname des Babys kann als Pseudonym frei gewählt werden. Falls es doch Störer gebe, könnten diese gemeldet und geblockt werden. Und wenn des Babys neue Zähne im Tagebucheintrag vermeldet werden, dann nur verschlüsselt: Lesen könnten das ausschließlich Freunde und Verwandte, die von den Eltern zuvor ausdrücklich autorisiert worden seien, sagt Wertenbruch.

Eines Tages, ist sich Wertenbruch sicher, werden Portale wie “Filiyou“ klassische Medien wie das Fotoalbum oder das Tagebuch auf Papier komplett ersetzt haben. Dabei hofft der Berliner Jungunternehmer, dass dieser Tag nicht allzu fern ist. Die Nutzung seines Portals ist für Eltern kostenfrei. Geld soll mit Werbung verdient werden, die zielgerichtet platziert wird. Die Nutzer und ihr Nachwuchs sind der Sache naturgemäß in wenigen Jahren entwachsen. “Spätestens, wenn das Kind in den Kindergarten geht, allerspätestens nach der Einschulung, flacht das Interesse an Kinderfotos ab“, hat Wertenbruch beobachtet. Und mit fünf oder sechs Jahren seien die Kleinen dann auch schon durchaus in der Lage, sich einen Account bei SchülerVZ oder einem ähnlichen Netzwerk anzulegen. “Vielleicht“, sagt Wertenbruch, “nehmen sie ihre Babyfotos dann ja einfach mit“. 

Stefan Lange

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