Bänder aus der Retorte

- Gibt es einen dauerhaften künstlichen Ersatz für einen kaputten Meniskus, der im Knie das Gelenk abfedern muss? Und wie steht mit dem Ersatz für zerrissene Kniebänder? Fragen, die sich nicht nur Hobbyskifahrer, -fußballer oder -tennisspieler stellen, sondern vor allem auch Hochleistungssportler, die möglichst schnell wieder fit werden müssen. Beim Jahreskongress der deutschen Orthopäden in Berlin wurden bisherige Ergebnisse mit Menisken und künstlichen Kniebändern aus dem Labor diskutiert.

<P>Operationsversuche bei Sportlern zeigten, dass Kniebänder aus der Retorte noch Wunschkonzepte sind, an denen erheblich gearbeitet werden muss. "Künstliche Bänder, die zum Ersatz der vorderen Kreuzbänder im Knie verwendet wurden, haben sich nicht bewährt, sie sind Fremdkörper, die nicht integriert werden, regelhaft wieder durchreißen und Arthrosen verursachen", berichtete der Unfallchirurg Prof. Peter Hertel (Berlin) über neue Nachuntersuchungen. </P><P>Wenn Hochleistungssportler nach Bänderriss oder Knochenbruch in wenigen Wochen wieder fit sind, wundert sich so mancher Normalbürger, der mit denselben Verletzungen für Monate auf jeden Sport verzichten muss. Doch der Sportler mit seinen trainingsbedingten festeren und besser durchbluteten Muskeln hat viel bessere Heilungsbedingungen. Zumindest für einige Zeit. Er stößt jedoch an Grenzen, wenn er sich immer wieder an den gleichen Stellen verletzt.</P><P>Kniebandverletzungen heilen dann meist ohne Operation, wenn es nicht die vordereren Kreuzbänder sind. Die jedoch müssen meist operiert werden.</P><P>Der Ersatz des vorderen Kreuzbandes werde derzeit meist entweder mit Teilen des Kniescheibenbandes oder mit Teilen der Knie-Innensehnen durchgeführt. Bei mehreren Fußballspielern habe sich jedoch gezeigt, dass die stark beanspruchten Ersatzbänder wieder reißen können, so Hertel.</P><P>Gerade deshalb seien Versuche interessant, Wachstumsfaktoren während der Operation in die Nähe der eingesetzten Bänder zu bringen, um ihre Stabilität durch Bindegewebsbildung zu erhöhen. Noch sind dies aber Tierexperimente.</P><P>Doch auch beim Meniskusersatz tut sich die Medizin noch schwer: Einige hundert Patienten haben zwar einen Meniskus aus der Retorte bekommen: Ein Gerüst aus Kollagen-Fasern (vom Rind) wird an einen halb zerstörte Menisken angefügt. Es soll dann von körpereigenen Knorpelzellen und Fasern durchwachsen werden. Zweijahres-Erfahrungen zeigten, dass die Methode für Leistungssportler nicht zu empfehlen sei, so Hertel. Man müsse lange Behandlung und geringere Belastbarkeit des Knies in Kauf nehmen. Etabliert ist dagegen die Meniskus-Teilentfernung durchs Arthroskop (Sichtrohr) oder eine Anregung der Heilung ohne Operation.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zwei von drei Online-Käufern achten auf Produktbewertungen
Beim Online-Shopping lassen sich Produkte nicht ausprobieren. Viele setzen deshalb bei der Kaufentscheidung auf die Beurteilungen anderer Nutzer, zeigt eine Umfrage. …
Zwei von drei Online-Käufern achten auf Produktbewertungen
Wo ist die Nacht noch dunkel? Eine Webseite verrät es
Um den Sternenhimmel zu betrachten, muss die Nacht nicht nur wolkenlos sein. Wichtig ist auch, dass es keine Lichtverschmutzung gibt. Eine Online-Karte zeigt die …
Wo ist die Nacht noch dunkel? Eine Webseite verrät es
Schluss mit dem Geplärre: Smartphone-Klang verbessern
Nicht selten schlummern ganz Musiksammlungen auf Smartphones und Tablets. Doch Hi-Fi-Feeling kommt bei der Wiedergabe über die eingebauten Mini-Lautsprecher nicht …
Schluss mit dem Geplärre: Smartphone-Klang verbessern
App JLaw ist digitale Bibliothek für Gesetze und Urteile
In vielen Fällen ist es wichtig, seine Rechte zu kennen. Doch häufig ist die Gesetzeslage nicht ganz einfach. Wer in einer juristischen Angelegenheit tiefer einsteigen …
App JLaw ist digitale Bibliothek für Gesetze und Urteile

Kommentare