Bakterien verderben Frauen den Badespaß

- Die Flucht vor der Hitze fällt den Bayern besonders leicht. Die schönsten Badeseen Deutschlands befinden sich vor ihrer Haustür. So ist es für Tausende nur ein Katzensprung in das kühle Wasser. Doch mit der wachsenden Zahl von Badegästen steigt auch der Betrieb bei den Gynäkologen. Der Grund: Obwohl die bayerischen Seen bei den hygienischen Tests des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gut abschneiden, sind besonders die weiblichen Besucher Infektionskrankheiten ausgesetzt.

Gesundheitsamt prüft nicht auf Krankheitserreger

"Beim Baden im See kann die natürliche Scheidenflora geschwächt werden", sagt Dr. Georg Georgarakis, Frauenarzt in München. Als Folge können Keime leichter in die Scheide eindringen. Es kommt zu bakteriellen Infekten.

"Am häufigsten ist eine sogenannte polymikrobielle Entzündung mit Gardnerella vaginalis", sagt Katrin Grimmer, Sprecherin beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Bei den regelmäßigen Wasserqualitätsprüfungen der Behörde würden die Badeseen nicht daraufhin untersucht, ob Keime enthalten sind. Die Proben des Gesundheitsamtes dienen prinzipiell nicht dem Nachweis einzelner Krankheitserreger. Sie sollen vielmehr Fäkalindikatorbakterien, die einen Hinweis auf eine fäkale Verunreinigung liefern, nachweisen.

Gardnerellen, die die Erreger von rund 40 Prozent aller Scheidenentzündungen sind, kommen in kleinen Mengen sehr häufig im Genitalbereich vor. Im Fall einer Veränderung des Scheidenmilieus können sich diese Bakterien vermehren und Probleme verursachen. Das Krankheitsbild wird auch als unspezifische Vaginalentzündung oder bakterielle Vaginose bezeichnet. Beim Mann bleibt die Gardnerellen-Infektion in der Regel symptomlos. Bei Frauen fallen ein fischiger Geruch sowie vermehrter Ausfluss auf. Hinzu können Reizungen des äußeren Genitals sowie leicht stechende Schmerzen beim Wasserlassen kommen.

Einen sicheren Schutz vor einer Infektion gibt es nicht. "Es ist auf jeden Fall ratsam, sofort den Badeanzug auszuziehen und zu wechseln", sagt Dr. Franz-Werner Olbertz, Bezirksvorsitzender des Bundesverbands der Frauenärzte (BVF). Frauenarzt Georgarakis empfiehlt außerdem zu keiner übertriebenen Hygiene wie Scheidenspülungen. Außerdem können Scheidenzäpfchen mit Milchsäurebakterien helfen. Sie verbessern das Milieu und stärken die Abwehr ungewünschter Bakterien. "Auch ein Tampon in Jogurt getränkt kann helfen." Dieser sollte nach dem Baden am Abend eingeführt werden.

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