Bald erste BSE-Lebendtests

- Tests, mit denen man bei lebenden Tieren die Rinderseuche BSE feststellen kann, werden bald auf den Markt kommen. Zahlreiche Forscherteams und Biotech-Unternehmen arbeiten an BSE-Lebendtests mit wachsendem Erfolg. Am weitesten fortgeschritten scheint die kalifornische Firma Chronix Biomedical zu sein. Sie entwickelte gemeinsam mit Bertram Brenig vom tierärztlichen Institut der Uni Göttingen einen Lebendtest, für den nur die Blutprobe eines Rindes benötigt wird. "Zur Zeit sind wir in der Endphase der Validierung", so Brenig. Wegen der positiven Versuchsergebnisse erwarte er noch 2003 eine Zulassung des Tests, der sehr sensibel sei und zu 100 Prozent spezifisch auf eine BSE-Erkrankung reagiere.

<P>In den USA konnte der Test sechs BSE-kranke Rinder bereits sicher identifizieren. Ebenso präzise gab er 46 gesunde Rinder als unbedenklich zu erkennen, so der Forscher. </P><P>Von 57 Tieren aus so genannten BSE-Kohorten wurden außerdem zwei Rinder als fraglich positiv eingestuft. Eine Kohorte umfasst alle Tiere, die in der gleichen Herde wie eine BSE-Kuh zwölf Monate vor oder nach der Erkrankung geboren und aufgezogen wurden. Das Verfahren beruht auf einem indirekten BSE-Nachweis: Statt nach krankhaft veränderten Prion-Eiweißen zu suchen, die als BSE-Auslöser gelten, sucht der Test im Blut bestimmte Formen von Ribonukleinsäure (RNS), die nur bei einer BSE-Erkrankung auftreten. Mit dem neuen Test-Kit sei die Untersuchung innerhalb von zwei bis drei Stunden zu machen, so Brenig. Auf die RNA-Nachweismethode setzt auch der Schweizer Pharma-Hersteller Hoffmann-La Roche, der an einem ähnlichen Test arbeitet.</P><P>Andere Firmen suchen nach Methoden, eine BSE-Infektion direkt anhand der krankmachenden Prionen zu erkennen. Dieser Ansatz bildet bereits die Grundlage der heute gebräuchlichen BSE-Tests bei Schlachttieren. Die krankmachenden Prionen werden mit speziellen Antikörpern markiert und lassen sich so aufspüren. Bei toten Tieren funktioniert das relativ gut, weil direkt das Hirngewebe untersucht werden kann, wo viele Prionen vorkommen. Im Blut hingegen, das für Lebendtests ideal wäre, sind nur sehr wenige Prionen zu finden. Dennoch zeichnen sich auch für dieses Verfahren Erfolge ab. </P><P>Vor zwei Jahren hatte das Serono Pharmaceutical Research Institute in Genf gezeigt, dass sich BSE-Prionen im Reagenzglas vermehren lassen. Mit dieser Technik können Prionen in einer Probe soweit angereichert werden, dass ihre Menge für einen Nachweis mit Antikörpern ausreicht. Mehrere Firmen arbeiten daran.</P><P>Jetzt melden Forscher der Uni Leipzig Erfolge mit einem weiteren Test. Gemeinsam mit der Labor Diagnostik GmbH Leipzig konnten sie Prionen in der Augenflüssigkeit von Rindern nachweisen. Wie das genau funktioniert, wird noch geheim gehalten. Johannes Seeger vom veterinär-anatomischen Institut der Uni berichtet jedoch, die Ergebnisse seien so vielversprechend, dass der Test bei der EU in Brüssel zur Prüfung anstehe. </P><P>Internet:<BR>Informationen und Link zum Thema unter www.verbraucherministerium.de/verbraucher/bse/bse-info.htm<BR></P>

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