Ein Ballon auf dem Roten Planeten

- Während Europa der "Weihnachtsbescherung" des Mars Express' entgegenfiebert, hat die Mars Society Deutschland ein anderes Projekt, genannt "Archimedes", im Visier: einen Forschungsballon, der 2007 mit der Mission "Archimedes" zum Mars geschickt werden soll.

<P>Die von dem deutschen Verein Amsat als Funkrelais gebaute Marssonde "P5-A" soll den Ballon zum Roten Planeten bringen. Dort ausgesetzt, solle er die Oberfläche aus der Vogelperspektive "beobachten", erklärt Hannes Griebel, Diplomingenieur am Institut für Raumfahrttechnik der Münchner Universität der Bundeswehr und Gründungsmitglied der Mars-Society Deutschland.</P><P>Archimedes ist eine kleine interplanetare Sonde, die den Ballon in die Atmosphäre des Mars bringen wird, wo er in der dünnen Atmosphäre die Umweltbedingungen erkunden soll. Der Überdruckballon (Durchmesser 14 Meter) wird eine hochauflösende Kamera tragen (vom Institut für Planetenerkundung des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin), Atmosphären-Sensoren aus Finnland (Finnish Meterological Institute) und einen Magnetometer der Technischen Universität Braunschweig an Bord seiner vier Kilogramm leichten Gondel haben. Das 16 kg leichte System soll in einer Höhe von etwa zwei Kilometern über dem Marsboden schweben und Strömungsmessungen machen, die von einem Orbiter oder einem Fahrzeug nicht gelingen würden. Außerdem wird die Bewegung des Ballons aufgezeichnet: "So erfahren wir mehr über die Atmosphärenbewegungen auf dem Mars", hofft Griebel. </P><P>Bemannte Missionen<BR>wären schon machbar</P><P>Noch ist das Projekt in der ersten Testphase, es gilt zunächst, das Verhalten von Archimedes unter Simulation der völlig anderen Mars-Bedingungen zu testen. "Luftbewegungen, die man selbst gar nicht spürt, bewegten den kleinen Ballon", sagt Griebel.<BR>Die Ballon-Mission ist ein weiterer von vielen kleinen Schritten zu einer künftigen Besiedelung des Planeten. Wann aber wird es zum ersten bemannten Marsflug kommen? "Technisch wäre es schon heute möglich, eine bemannte Marsmission auszurichten", meint der Raumfahrt-Ingenieur. </P><P>Doch noch gibt es keine Trägerrakten, die Menschen samt ihrem lebensnotwendigen Material zum Roten Planeten befördern können. 50- bis 100-mal schwerer wäre eine solche Mission als die größten unbemannten Raumsonden. Das Material, das Menschen dort für ihr Überleben und die sichere Rückkehr zur Erde benötigen, übersteigt noch bei weitem die Fähigkeiten der heutigen Raketensysteme.</P><P>Etwa 100 Milliarden Euro, schätzt Griebel, würde es kosten, eine bemannte Marsexpedition auszurüsten. "Frühestens zum Jahr 2020 wäre dies machbar." Menschen auf dem Mars würden die Forschung einen wesentlichen Schritt voranbringen: "Sie können individuelle Entscheidungen treffen und zum Beispiel geologische Besonderheiten viel leichter orten und untersuchen, als Maschinen, deren Automatismen schon auf der Erde vorprogrammiert werden."</P><P>Auch die Frage, ob es Mars-Lebewesen gibt, könnte mit Wissenschaftlern vor Ort leichter geklärt werden. Allerdings bestehen für Astronauten erhebliche Gefahren bei einer Reise zum Mars. Die Menschen befinden sich beim Hinflug auf einer festgelegten Flugbahn und können mittendrin nicht umkehren, weil ihnen der Schub für die Rückreise fehlen würde. "Ein Raumschiff verhält sich ähnlich wie ein Ball", sagt Griebel.</P><P>Auch auf dem Mars selber können technische Probleme an der Ausrüstung auftreten, die die Austronauten vor große Probleme in der lebensfeindlichen Umgebung stellen würden. Ein weiteres lebensgefährliches Risiko ist die kosmische Strahlung. Der Mars hat, anders als die Erde, kein Magnetfeld, das die Menschen vor kosmischen Partikeln schützt. Wenn über den Planeten ein Sonnensturm fegt - ähnlich wie der, der die Erde vor kurzem traf - bedeutet dies auf dem Roten Planeten den Tod der Forscher. Sofern sie sich nicht gerade in einen Schutzraum retten konnten.</P><P>Eine weitere, sehr irdische Frage stellt sich bei dem Gedanken an bemannte Marsmissionen. "Ist die Menschheit überhaupt bereit zu einer solchen Aufgabe?" </P><P>In Zeiten, in denen Kriege für mehrere zehn Milliarden Euro geführt werden und diese Ausgaben wichtiger erscheinen als die Wissenschaft, müssten solche Überlegungen unweigerlich angestellt werden, meint der Mars-Experte.</P><P>Lexikon aktuell<BR>Mars Society<BR>Die Mars Society wurde 2000 in Stuttgart gegründet und hat derzeit 150 Mitglieder. Ziel: die Förderung der unbemannten und bemannten Erforschung des Planeten Mars. Zu diesem Zweck betreibt die Mars Society Informationsarbeit und führt eigene technisch-wissenschaftliche Versuche durch.<BR></P>

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