Banges Warten auf Beagles Signale

- München/Darmstadt - Unten ist er, aber wo bleiben seine Signaltöne? Europas Marsroboter "Beagle 2", der nach 205 Tagen Flugzeit auf dem Mars gelandet ist, schweigt bisher.

<P>Zwischen bangem Warten auf ein Beagle-Signal und stolzer Freude über die fantastisch präzise Funktion der Muttersonde "Mars Express" haben Astrowissenschaftler, Projektleiter und Ingenieure im Raumkontrollzentrum ESOC in Darmstadt die Weihnachtstage verbracht. </P><P>Als in der Frühe des 25. Dezember der Landeroboter planmäßig auf dem Anflug in Richtung Marsoberfläche war und die Muttersonde in eine stabile Umlaufbahn um den Roten Planeten einschwenkte, da umarmte man sich und schüttelte viele Hände. Als dann am Vormittag die ersten Sondersendungen im Fernsehen liefen, da konnte man schon eine leichte Nervosität beobachten.<BR><BR>Doch Beagles Schweigen könnte auch nur bedeuten, dass die seit zwei Jahren um den Planeten kreisende amerikanische Sonde "Mars Odyssey" das Signal nicht aufgefangen hatte. Inzwischen ist auch Beagles eigene Muttersonde über seinen Landeplatz hinweggeflogen - ohne Antwort. Das Radioteleskop in Jodrell Banks, Großbritannien, konnte bisher keine Signale auffangen.<BR><BR>Doch noch hoffen die Forscher auf Antwort. Nur dann nämlich können sie sicher sein, dass "Beagle 2" seine Arbeit aufgenommen hat. Das Minilabor musste zunächst seine Solarpaddel aufklappen, um Energie zu tanken. Dann soll es mit einem "Maulwurfsbohrer" Bodenproben entnehmen und sofort analysieren. "Die europäische Raumfahrtagentur ESA geht nach den Flugdaten davon aus, dass Beagle 2 auf dem Mars gelandet ist", sagte ESA-Sprecherin Jocelyn Landeau. </P><P>1,5 Millionen Kilometer stumm zurückgelegt</P><P>Zwölf Gelegenheiten gebe es noch, Kontakt aufzunehmen, so Laundeau und sie versicherte: "Noch sind wir nicht nervös." Auch Lutz Richter vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der zum wissenschaftlichen Beagle-Team gehört, ist noch zuversichtlich. "Es kann eine Woche dauern, bis wir ein Signal auffangen können." Möglich sei, dass der Roboter auf einem Felsen und nicht flach auf der Oberfläche des Mars sitze. Die Sendeantenne könne deshalb in die falsche Richtung strahlen. Das Signal könne aber auch wegen leerer Batterien zu schwach sein. "Tatsache ist auch, dass wir nie direkten Kontakt zu unserem Beagle 2 haben, sondern ihn immer nur über Relaisstationen in der Umlaufbahn des Mars erreichen." <BR><BR>Planmäßig soll "Beagle 2" sechs Monate auf dem Marsboden arbeiten. Seit dem 19. Dezember, seit er sich vom Mutterschiff getrennt hatte, musste der Landeroboter 1,5 Millionen Kilometer alleine und stumm zurücklegen. Seine Landebatterie durfte während des sechstägigen Freiflugs nur die elektronische Uhr bedienen, die den Bordcomputer zwei Stunden vor der Landung aufwecken musste. Beim ersten Kontakt mit der Marsatmosphäre, 120 Kilometer über dem Boden, hatte der Roboter eine Anfangsgeschwindigkeit von 20 000 Kilometer pro Stunde; sein Hitzeschild musste ihn gegen die Reibungsflammen abschirmen. Danach bremsten zwei Riesenfallschirme seinen Sturz, bevor er in gasgefüllten Airbags um 3.52 Uhr MEZ am Weihnachtsmorgen am Landeplatz "Isidis Planitia" aufprallte - völlig automatisch und ohne Funkkontakt zur Erde. <BR><BR>Als einen "großen Tag für die europäische Raumfahrt" hat Forschungsministerin Bulmahn die Mission gefeiert. Immerhin sei ja das Mutterschiff, das sechs der sieben Marsexperimente selbst durchführen muss, planmäßig aktiv. "Mars-Express" nimmt seine Bordinstrumente, darunter die hochauflösende Kamera und einen Radarabtaster für die Kartografierung des Mars, sowie zwei Spektrometer für geochemische Analysen der Atmosphäre, erst Mitte Januar in Betrieb. Zunächst wird seine Umlaufbahn in einen weniger elliptischen Kurs geändert.<BR><BR>Auch ohne Kontakt zum Landeroboter sei der rund 300 Millionen Euro teure Flug zum Mars schon jetzt als großer Erfolg zu werten, kommentierte auch ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain strahlend das ambitionierte Projekt: "Europa umkreist den Mars. Jetzt beginnen zwei Jahre der Forschung."<BR><BR>Diese Marsmission ist die erste Europas. Die Japaner, die ebenfalls wegen der in diesem Jahr extrem nahen Mars-Erde-Konstellation eine Sonde schickten, mussten inzwischen zur Kenntnis nehmen, dass ihre Mission am Mars vorbeigeflogen ist. Aber die Amerikaner können noch auf den Erfolg ihrer beiden eigenen Missionen hoffen: die Sonden, die mit "Spirit" und "Opportunity" zwei Raumfahrzeuge mit Analysegeräten an Bord haben, werden erst im Januar erwartet.<BR> <BR></P> 

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