Bauch-Chirurg operiert mit zwei Robotern

- Left, Aesop, stopp, forward, stopp, down". Englisch spricht der Chirurg Dr. Ralf Senner (46) aus gutem Grund mit seinem Partner, der ihm beim Operieren mit Endoskopen, den so genannte "Schlüsselloch-Operationen" assistiert. Der Assistent stammt aus den USA. Doch ein Mensch ist er nicht, sondern ein sprachgesteuerter Roboter. Sein Name, Aesop, steht für Automatisches Endoskopisches System für Optimale Positionierung des OP-Feldes. Das heißt, er übernimmt die Navigation im Bauchraum, allerdings nicht selbständig, sondern eben auf Kommando. Aesop hört nur auf den Chirurgen, das heißt, er ist auf seine Stimme programmiert. Neben ihm steht noch ein Roboter - der sorgt (bedient per Joystick) für die Bild-Feineinstellung.

<P>Spinnerei mit High Tech? Keineswegs aus Sicht des Chirurgen, der sich auf endoskopische Operationen von Leisten-, Narben- und Bauchwandbrüchen, Gallenentfernung und das Anlegen von Magenbändern (gegen Fettsucht) spezialisiert hat: "Vom Roboter unterstützt, kann ich meine Patienten ohne zweiten Chirurgen operieren", sagt Senner. "Auf mein Kommando wird navigiert und präzise die Kamera geführt, die ich ja nicht bedienen kann, während ich operiere. Ich kann mich dabei auf eine einwandfreie Bilddarstellung verlassen, die Verletzungsgefahr beim Operieren verringert sich". </P><P>Eine 19-jährige junge Frau liegt auf dem Operationstisch der Tagesklinik. Sie leidet an einem beidseitigem Leistenbruch, der schon zweimal (woanders) operiert wurde, aber jedes Mal wieder auftrat. </P><P>Angst vor dem Roboter habe sie keine, hatte sie gesagt, bevor sie in den Narkoseschlaf hinüberglitt. </P><P>Nun also stecken das robotergesteuerte Sichtrohr und die endoskopischen Instrumente in ihrem Bauch, in den man via Monitor blickt. Kompliziert mit der Bauchwand verwachsen sind die Bänder, die eigentlich nur die Gebärmutter halten sollen. Behutsam löst der Chirurg sie aus dem umgebenden Gewebe, den Blick dabei fest auf den Monitor gerichtet; seine Kommandos gelten mal dem "Assistenten", mal der OP-Schwester, die ihm die Instrumente reicht. </P><P>Sie ist eigens für diese "Schlüsselloch-Eingriffe" ausgebildet worden. Zum Team gehört außerdem noch eine Anästhesistin, die den Zustand der Patientin überwacht. Zwei Stunden dauert die roboterunterstützte Operationen, bei der die beschädigte Leistenhinterwand durch ein Kunststoffflies verstärkt wird. Auch das Flies wird durchs Endoskop in den Bauchraum eingeführt. Senner fixiert es über dem Loch in der Muskelwand. Später einmal werden Muskelzellen das Flies umwachsen.</P><P>Nach knapp zwei Stunden ist die Korrektur des doppelten Leistenbruchs geglückt. Fünf Stunden später erholt die Patientin sich bereits daheim von dem Eingriff. Eine große Bauchnarbe wird sie später keine haben, nur vier verheilte Mini-Schnitte (je ein Zentimeter lang) in der Bauchdecke.</P><P>Lohnt sich die Roboter-Operation? Für den Patienten bringt sie mehr Sicherheit und schnellere Erholung, so Senner. Einige gesetzliche Krankenkassen haben das bereits erkannt und erstatten die Pauschalkosten.</P><P>Internet: www.roboticsurgery.de</P><P>TV-Tipp:<BR>Ein Kurzfilm der Roboter-Operation wird vom Fernsehsender TV München am 1. März in münchen aktuell gesendet. Der Sender N24 bringt am 4. März um 17.30 Uhr, am 5. März um 14.30 Uhr und am 8.9 und am 8. März um 9.15 Uhr einen Dreiminutenfilm.<BR></P>

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