Wer Berge erklimmt, wird ständig leichter

- Auf der Zugspitze sind Wanderer leichter als am Fuß des Berges. Auch wenn der Unterschied im Gewicht nur gering ist, spielt er für die Erdvermessung eine bedeutende Rolle. So ist ein 80 Kilogramm schwerer Bergsteiger auf dem knapp 3000 Meter hohen Gipfel 40 Gramm leichter als unten bei Garmisch-Partenkirchen.

Das haben jetzt Jakob Flury und sein Team vom Lehrstuhl für Astronomische und Physikalische Geodäsie der Technischen Universität München (TUM) exakt bestimmt.<BR><BR>Möglich gemacht hat die präzise Messung ein neuartiges, so genanntes Freifall-Absolutgravimeter. In diesem Gerät befindet sich ein Glasprisma in einer senkrecht aufgestellten, etwa 20 Zentimeter langen, Vakuumröhre. Mehrere hundert Mal ließen die Erdvermesser das Prisma in der Röhre frei fallen und bestimmten die durchschnittliche Fallzeit mit hochpräzisen Lasern. Aus dieser Fallzeit wird errechnet, wie stark die Erdanziehung an einem Punkt ist.<BR><BR> "Je weiter ein Mensch vom Erdmittelpunkt entfernt ist, desto geringer ist die Erdanziehung und desto leichter wird er", sagt Jacob Flury, "aufgrund der elliptischen Form der Erde ist deshalb ein Mensch am Äquator, auf Meereshöhe leichter als am Pol, der näher am Erdmittelpunkt liegt. Ebenso verhält es sich, wenn man auf einem Berg steht".<BR>Die Geodäten haben ihre Messungen am Schneefernerhaus, unterhalb des Zugspitz-Gipfels, durchgeführt. Aber nicht nur dort bestimmt das Team die Erdanziehungskraft. <BR><BR> Eine Karte in Flurys Büro in der TUM ist mit unzähligen roten Punkten rund um Garmisch-Partenkirchen bestückt. "Überall dort haben wir schon die Erdanziehungskraft bestimmt", erzählt er. Zur Zeit messen die Geodäten auch auf dem der Zugspitze benachbarten 1720 Meter hohen Wank.<BR><BR> Mit ihren Schweremessungen können die Geodäten auch auf die geologische Zusammensetzung eines Gebirges schließen. "Gesteine sind unterschiedlich schwer", erklärt Flury,"also üben sie auch minimal unterschiedliche Anziehungskräfte aus."<BR><BR>Zudem hofft der Geowissenschaftler, durch die hochexakten Messungen noch ein Phänomen nachweisen zu können.

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