Bessere Lehre nicht ohne Forschung

Neue Professur: - Lehre ohne Forschung ­ das soll an Universitäten möglich werden. Der Wissenschaftsrat will Professuren einrichten, die fast nur die akademische Lehre beinhalten. Die Chefs der Münchner Hochschulen sind hierüber geteilter Meinung. Sie sehen die Notwendigkeit, die Lehre zu verbessern, äußern jedoch Kritik an dem neuen Modell.

Gute Vorlesungen und Seminare, Professoren, die Zeit haben, um mit ihren Schülern über ihre Arbeiten zu sprechen - das wünschen sich viele Studenten. Der Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung in Fragen der Hochschulentwicklung berät, will jetzt einen neuen Professorentyp einführen, der sich vor allem um die Lehre an den Universitäten kümmert. Mit dem Modell der Lehrprofessur sollen die dringend benötigten Studienplätze geschaffen und die Qualität der Ausbildung der Studenten verbessert werden, so der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Professor Peter Strohschneider. Das Modell sieht vor, dass der Wissenschaftler trotz seiner höheren Lehrverpflichtung in das Forschungsnetz eingebunden bleibt. Zwei Drittel der Arbeitszeit soll jedoch für die Lehre verwendet werden.

An der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ist man von dem Vorstoß des Wissenschaftsrats nicht überzeugt. "Wir stehen der Lehrprofessur skeptisch gegenüber, da wir nicht glauben, dass junge Wissenschaftler sich nur mit der Lehre beschäftigen wollen", betont der Rektor der LMU, Professor Bernd Huber. "Das Karriere-Motiv eines jungen Forschers ist die wissenschaftliche Arbeit." Doch stimmt Huber mit dem Wissenschaftsrat darin überein, dass die Lehre an den Universitäten gestärkt werden muss.

"Die Lehrprofessur ist ein gut gemeinter Vorschlag, da man die Ausbildung der Studenten auf jeden Fall verbessern muss", betont der LMU-Chef. Doch ist Huber überzeugt: "Für das Lehrprofessoren-Modell gibt es in dieser Form kaum Nachfrage."

Huber befürwortet indes einen Vorschlag, der von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) unterstützt wird. Demnach soll es künftig Professoren geben, die 14 bis 18 Stunden pro Woche lehren. Das Konzept des sogenannten "Lecturers" wäre ein Mittelweg zwischen dem herkömmlichen Professorenmodell und der Lehrprofessur.

Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TU München, sieht den Vorstoß des Wissenschaftsrats indes als gelungene Initiative. "Wir müssen ein Konzept finden, bei dem exzellente Forschung gekoppelt wird mit hervorragender Lehre", sagt er.

Ein einzelner Professor könne nicht alles machen ­ Forschung, gute Lehre und dazu noch die Verwaltung. Vorstellen kann sich der TU-Chef ein Modell, bei dem Leute aus der Wirtschaft oder auch Gymnasiallehrer für begrenzte Zeit eine Lehrprofessur übernehmen.

Dass die Lehre an den Unis neu organisiert werden muss, ist für Herrmann klar. Seine Hochschule wird im Jahr 2016 rund 8000 zusätzliche Studenten zählen. "Wir müssen hier für die jungen Menschen mehr tun", betont er.

Für FH-Präsidentin Marion Schick würde die Einführung einer Lehrprofessur sogar eine Stärkung und damit eine größere Anerkennung der Forschungstätigkeit ihrer Mitarbeiter bedeuten. Denn viele FH-Professoren haben heute fast zu 100 Prozent einen Lehrauftrag, ihre zusätzliche Forschungstätigkeit wird dabei oft nicht anerkannt. Das neue Modell würde ihnen dann 30 Prozent Forschungszeit zugestehen.

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