Zur besseren Medizin für Mauritius

- In seiner Heimat Mauritius war Indradeo Hemraj schon lange nicht mehr. Seit 1997 weilt der 29-jährige Medizin-Student fast nur im Ausland. Schon vor seinem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität hat er in mehreren Forschungslabors in Deutschland und den USA gearbeitet. Für seine "besonderen akademischen Leistungen und sein bemerkenswertes gesellschaftlich-interkulturelles Engagement" hat der Deutsche Akademische Austauschdienst Hemraj nun ausgezeichnet.

"Ich wollte schon immer Medizin studieren", sagt Hemraj. Zunächst schien daraus nichts zu werden. Auf Mauritius gab es bis vor wenigen Jahren keine Medizinische Fakultät. Jedes Jahr erhält der beste Abiturient der seit 1968 unabhängigen Inselrepublik ein Stipendium für ein Studium in Großbritannien, "doch ich war nur der Zweitbeste", sagt Hemraj - mit einem Schmunzeln. Denn er ist längst in seinem Wunschfach angekommen.

Der Mauritianer ist im vierten klinischen Semester und "dankbar, dass ich hier die Gelegenheit habe, Spitzen-Medizin zu studieren".

Am Europäischen Labor für Molekularbiologie "EMBL" in Heidelberg begann vor acht Jahren seine wissenschaftliche Karriere. Ohne Vorkenntnisse konnte er dort in die Proteinforschung einsteigen. Forschungsaufenthalte in Philadelphia (USA) und Tübingen schlossen sich an, bevor er 2002 nach München kam.

Viele Freunde habe er in Deutschland gewonnen, sagt Hemraj. Und sich sogar mit dem hiesigen Essen angefreundet, das er mit Zutaten aus der heimischen Küche kombiniert. "Seit ich in Tübingen war, bin ich ein Spätzle-Fan", bekennt er. Und fügt hinzu: "Die schmecken sehr gut mit Garnelen."

Nach seiner Ausbildung will er in seine Heimat zurückkehren. 2008 wird er sein Studium abschließen, will dann noch den Facharzt in Deutschland machen, wahrscheinlich in Neurologie.

Langfristig will Hemraj die medizinische Versorgung in seiner Heimat verbessern. Zwar gebe es auf Mauritius eine Grundversorgung auf Staatskosten, "aber der Standard ist sehr niedrig". Zu wenige Ärzte gebe es, und immer mehr alte Menschen.

"Wir werden bald sehr viele alte Patienten haben, und viele mit Wohlstandskrankheiten wie Diabetes", berichtet Indradeo Hemraj, der sich hauptsächlich in Internet-Zeitungen über das Geschehen auf Mauritius informiert.

Früher, so sagt er, habe er noch idealistische Vorstellungen gehabt, Ambitionen, etwas im Gesundheitssystem zu Hause zu ändern. "Inzwischen habe ich aber erkannt, dass Politik andere machen", sagt er. "Meine Kompetenz liegt in der Medizin."

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