Bestrahlung während der OP

- Jeden Tag zur Bestrahlung in die Klinik. Sechs Wochen lang. Das ist der Preis, den Brustkrebs-Patientinnen bezahlen müssen, wenn die Ärzte ihre Brust erhalten konnten. Nun ist eine schonendere Methode in der Testphase, die vielen Frauen helfen könnte. Intraoperative Radiotherapie (IORT) nennt sich die neue Behandlungsform, die am EUSOMA-Brustzentrum der Frauenklinik vom Roten Kreuz in München bereits seit einem Jahr getestet wird.

Lange Strahlentherapie ist nicht mehr nötig

Das Besondere der neuen Methode: Sobald der Tumor entfernt ist, wird das umliegende Gewebe noch während der Operation bestrahlt. Eine langwierige Strahlentherapie im Anschluss entfällt.

"Für die Frauen ist das viel weniger belastend. Ich denke das leuchtet auch jedem Nichtmediziner ein", meint Professor Michael Molls, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Klinikum rechts der Isar.

Doch nur wenn der Tumor früh erkannt wird, operieren die Ärzte nach der neuen Methode. Mammographie, Ultraschall und Gewebeproben sollen ausschließen, dass der Brustkrebs zu weit fortgeschritten ist. Sind bereits Lymphknoten befallen, hilft nur noch die Abnahme der Brust.

Für die neue Therapie musste erst ein spezieller Röntgenapparat entwickelt werden: Wie ein Roboterarm sieht das Gerät aus, das jetzt im OP der Klinik steht. Eine Kugel aus Metall dient als Strahlenquelle. Der Chirurg führt sie in die Brust ein. Dorthin, wo sich zuvor der Tumor befand. Dann reicht eine einmalige, rund 20-minütige Behandlung mit einer hohen Strahlendosis. So kann man auch Krebszellen abtöten, die noch im Körper verblieben sind.

"In Mailand hat man für rund drei Millionen Euro einen Linearbeschleuniger in den OP eingebaut", so Professor Wolfgang Eiermann, Direktor der Frauenklinik vom Roten Kreuz. Die Münchner Ärzte dagegen setzen auf das preisgünstigere und mobile Röntgengerät. "Die verschiedenen Strahlenarten haben dieselbe biologische Wirkung", erklärt Eiermann. Ein teurer Umbau des Operationssaales fällt weg.

Doch ob die Patientinnen wirklich geheilt sind oder ob sich neue Wucherungen bilden, kann man erst fünf bis zehn Jahre nach der Operation sagen. Denn manche Tumore können die Ärzte auch mit Mammographie und Ultraschall nicht erkennen. "Wenn sie kleiner als fünf Millimeter sind, dann kann sie nur der Pathologe in der Gewebeprobe finden", erklärt Dr. Dieter Scheich, Abteilung für Diagnostische Radiologie. Ein Problem, wenn nicht die ganze Brust bestrahlt wird. Allerdings kommen diese winzigen Wucherungen nur sehr selten vor. Mögliche Langzeitfolgen der höheren Strahlendosis sind dagegen derzeit noch unbekannt.

Trotzdem sind die Experten optimistisch: Die ersten Ergebnisse der internationalen Studie liegen bereits vor. Im Ausland schneidet das schonendere Verfahren nicht schlechter ab als die belastende, konventionelle Therapie.

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