Betrug bei Online-Auktionen

- Oettingen/Stuttgart - Hewal Günes glaubte an ein gutes Geschäft: Über das Online-Auktionshaus eBay verkaufte der Computerhändler aus Oettingen in Bayern 30 nagelneue PC-Prozessoren im Wert von 7300 Euro an einen Kunden in Amsterdam. Das Geld sollte er von dem Treuhandservice "safetrading.net" erhalten. Doch der Treuhandservice entpuppte sich als Briefkastenfirma, der Kunde war nicht mehr aufzuspüren, die Ware weg.

<P>Kein Einzelfall, sagen Experten. Gerade bei besonders verlockenden Angeboten, sollten Online-Bieter das Thema Sicherheit nicht aus dem Blick verlieren.</P><P>Bundesweite Zahlen gibt es für den Bereich Betrug bei Internet-Auktionen zwar nicht, doch laut Christian Brockert, Sprecher des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden, ist die Entwicklung eindeutig: "Betrüger nutzen zunehmend auch das Internet". Nach Aussagen von Joachim Guentert, Sprecher von eBay in Berlin, liegt die Quote der Betrugsfälle insgesamt allerdings deutlich unter einem Prozent der gesamten Auktionsverkäufe. </P><P>Dennoch ist Wachsamkeit angezeigt, denn die Täter sind erfinderisch: Sie fälschen Internetseiten von Treuhand- oder Versanddiensten. Sie "kidnappen" Konten von ahnungslosen Nutzern, um über deren Namen Waren anzubieten, und sie bringen über Internet-Börsen gestohlene Ware in Umlauf. </P><P>"Bei Internetauktionen werden zunehmend Waren billig gegen Vorkasse angeboten, ohne dass diese später ausgeliefert werden", sagt der baden-württembergische Landespolizeipräsident Erwin Hetger in Stuttgart. Allein in Baden-Württemberg seien die Fälle von Warenbetrug binnen Jahresfrist um 115 Prozent auf 2843 Fälle im Jahr 2002 gestiegen. Diese Entwicklung sei zumindest zum Teil auch auf kriminelle Machenschaften im Internet zurückzuführen. </P><P>"Besonders bei Transaktionen ins außereuropäische Ausland ist ein gesundes Maß an Vorsicht angebracht", sagt Horst Haug, Sprecher des Landeskriminalamtes von Baden-Württemberg. So habe in einem Fall ein Kunde 1500 Euro an einen Anbieter in Rumänien im Voraus gezahlt, die Ware jedoch nie erhalten. Anstatt per Vorkasse zu zahlen, sollten Kunden vertrauenswürdige Treuhanddienste nutzen - diese zahlen das Geld dem Verkäufer erst aus, wenn der Kunde die Ware erhalten hat. </P><P>Kriminelle erstellen jedoch gefälschte Internetseiten von vermeintlichen Treuhand- und Versanddiensten, um ihre Opfer zu täuschen, erklärt Betrugsopfer Günes. "Diese Seiten sind täuschend echt und voll funktionsfähig - für den gewöhnlichen Nutzer sind sie nicht als Fälschung zu erkennen." Um Schwindlern bei Online-Auktionen auf die Schliche zu kommen, hilft den Experten zufolge zunächst ein Blick auf die Bewertungen anderer Kunden. Doch auch hier ist Vorsicht angebracht: Kriminelle sammeln mit Billigartikeln gute Bewertungen, um dann mit teuren Produkten ihre Opfer zu betrügen. Als zweiten Schritt sollten Kunden die angegebene Adresse und Telefonnummer überprüfen. Stimmt die Anschrift nicht und ist lediglich eine Mobilnummer angegeben, ist das höchst verdächtig.</P><P>Für Artikel ab 25 Euro biete eBay einen Käuferschutz an. Liefert der Verkäufer die bezahlte Ware nicht, so wird dem geprellten Kunden der Verlust bis zu einer Höhe von 175 Euro erstattet. Für höhere Summen sollten Nutzer nur vertrauenswürdige und geprüfte Treuhanddienste benutzen, rät auch eBay-Sprecher Guentert. Von Transaktionen über Kurierdienste sei abzuraten. Hundertprozentige Sicherheit gebe es aber nicht, vor allem Einsteiger sollten sich daher gut informieren. Hierzu gebe es bei eBay ein Informationsforum.</P><P>Auktionsbetrüger bieten zudem Waren unter falschem Namen an, indem sie das Konto eines anderen Nutzers "knacken", sagt der auf Internetrecht spezialisierte Rechtsanwalt Ralf Möbius aus Hannover. In einem seiner Fälle hatte ein Mann heimlich über das Konto seiner Ehefrau Waren angeboten. Das Geld strich er ein, ohne zu liefern. Zwar können die Geschädigten Strafanzeige stellen, von ihrem Geld sehen die meisten aber nichts mehr wieder, so Möbius. </P><P>Auch für die Inhaber eines eBay-Kontos kann der Missbrauch teuer werden. Für Aufsehen sorgte der Fall eines Fernfahrers in München im April dieses Jahres, der über das Konto eines Freundes unter anderem ein Grundstück, eine Geige und ein Flugzeug für über eine Million Euro kaufte. Hier können die Verkäufer Schadenersatz vom Kontoinhaber einklagen. Wenn dieser fahrlässig mit seinen Kontodaten umgegangen ist, haftet er für den Missbrauch. Kunden sollten deshalb regelmäßig ihre Kontoaktivitäten überprüfen, rät Möbius.</P><P>Um das Kundenkonto vor Missbrauch zu schützen, sollte ein sicheres Passwort gewählt werden. Wer zu seinem Nutzernamen "Romeo" das Passwort "Julia" wähle, mache Hackern sein Konto leicht zugänglich, warnt Guentert. Betrüger versuchten zudem, mit Hilfe von scheinbar offiziellen eBay-Schreiben Kontodaten abzufragen. Auf solche E-Mails dürften Nutzer auf keinen Fall antworten - das Unternehmen versende niemals solche Anfragen. </P><P><BR>Auch vor dem Kauf gestohlener Ware müssten Kunden sich in Acht nehmen, sagt LKA-Sprecher Haug. Vor allem bei Unterhaltungselektronik und Computerhardware könne es sich um Diebesgut handeln. Misstrauen sei angezeigt, wenn Waren weit unter Marktpreis und in großen Mengen angeboten werden. Wer wissentlich Hehlerware erwirbt, macht sich zudem strafbar, erklärt Rechtsanwalt Möbius. Um sich abzusichern, sollte nach der Herkunft der Waren gefragt werden. Liefert der Verkäufer eine plausible Erklärung, so findet der Kauf von Hehlerware gutgläubig statt - dennoch ist der Käufer die Ware los, wenn die Polizei sie sicherstellt.  <BR></P>

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