Bezahlen mit dem Handy - Elektronische Brieftasche braucht noch Zeit

- Stuttgart - Gerade in der Handtasche oder dem Aktenkoffer liegen Brieftasche und Handy oft dicht beieinander. Umso praktischer wäre es, wenn das Mobiltelefon Kreditkarte und Bargeld ersetzen könnte. Schon seit ein paar Jahren geistert die Idee vom Einkaufen und Bezahlen mit dem Handy durch die Telekom-Branche.

<P>Eine Geheimnummer per SMS abschicken, auf die Rückbestätigung warten - so einfach sollte es sein. Doch wie so oft hängt der Erfolg vor allem davon ab, ob die Technik schnell und überall funktioniert - und, ob sie von den Netzbetreibern auch clever vermarktet wird.</P><P>Vor wenigen Wochen erlitt das so genannte mobile Bezahlen einen herben Rückschlag: Paybox, der mit Abstand bekannteste Anbieter, stellte in Deutschland seinen Betrieb bis auf weiteres ein. Zu wenige Handy-Besitzer hatten ihre Fahrt im Taxi oder die Bestellung im Internet mobil bezahlt. Die Deutsche Bank hatte sich bereits Ende 2002 als Großaktionär aus dem Start-up zurückgezogen. Paybox' Kräfte reichten nicht aus, um auf eigene Faust den Durchbruch für das neue Zahlungsmittel zu schaffen.</P><P>Auf der Computermesse CeBIT im vergangenen Frühjahr hatten sich mächtige Konkurrenten zusammengeschlossen: Vodafone und T-Mobile, die beiden größten Mobilfunkanbieter Europas, kündigten eine gemeinsame Plattform an, die sich länderübergreifend als Standard für mobile Bezahldienste etablieren sollte. Inzwischen setzt Vodafone in Deutschland bereits das System "m-pay" ein, doch das internationale Projekt ist immer noch nicht abgeschlossen. "Es war von Anfang an klar, dass es keine schnelle Lösung geben würde", meint ein Sprecher der Londoner Vodafone-Zentrale. Dass die beiden Mobilfunk-Riesen andere europäische Netzbetreiber mit ins Boot holen konnten, will er nicht bestätigen.</P><P>Damit mobiles Bezahlen technisch funktioniert, reicht das Know-how rund ums Telefonieren allein nicht aus. Im Hintergrund müssen komplizierte Vorgänge für die Zahlungsabwicklung sicher und schnell ablaufen. Kein Wunder, dass sich einer Studie der Universität Augsburg zufolge ein Großteil der Handy-Nutzer (78 Prozent) eine Bank als Betreiber des Bezahlverfahrens wünschen. Der Telefongesellschaft vertrauen hingegen nur etwas mehr als ein Viertel der 5110 Befragten. Die Kreditinstitute sind nach ihren leidvollen Erfahrungen mit Internet-Investitionen aber derzeit nur schwer für neue Experimente zu begeistern.</P><P>Die meisten Kunden würden laut der Umfrage Spiele oder Informationen, die sie aus dem Internet aufs Mobiltelefon herunterladen, mobil abrechnen. An zweiter Stelle steht die Bezahlung per Handy. Nach Einschätzung von Experten sind mobile Bezahlverfahren heute schon sicherer als zum Beispiel die EC-Karte. Dennoch haben viele potenzielle Nutzer Bedenken. Hinzu kommt, dass es noch zu wenige Händler gibt, die das Handy zum Bezahlen akzeptieren. Sie warten erst ab, ob ihre Kunden es auch benutzen würden. "Das ist das alte Problem von der Henne und dem Ei", meint Key Pousttchi von der Universität Augsburg.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kompaktkamera mit Spiegelreflex-Sensor und Festbrennweite
Fujifilm will eine neue Kompaktkamera auf den Markt bringt. Sie heißt XF10 und zeichnet sich durch einen großen Sensor aus. Das Modell weist aber auch noch eine andere …
Kompaktkamera mit Spiegelreflex-Sensor und Festbrennweite
Mit Sprachassistenten arbeitet jeder fünfte Internetnutzer
Sprachassistenten erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Mittlerweile nutzt jeder fünfte Verbraucher einen solchen Helfer. Die Übrigen stehen den digitalen …
Mit Sprachassistenten arbeitet jeder fünfte Internetnutzer
Top Apps: Fotos bearbeiten im iPhone und iPad
Die App-Charts dieser Woche stehen im Zeichen der Bildbearbeitung: Das Programm "Affinity Photo" von Serif Labs landete auf Platz 4 der meistgekauften iPad-Apps. Eine …
Top Apps: Fotos bearbeiten im iPhone und iPad
iOS-Game-Charts: Gekonnt springen oder Bälle schießen
Der All-time Klassiker "Doodle Jump" begeistert noch immer. Mit Doodle begeben sich die iOS-Nutzer in eine bunte und temporeiche Spielewelt voller Sprünge und Rennen. …
iOS-Game-Charts: Gekonnt springen oder Bälle schießen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.