Biblischer Schmetterling entdeckt

- Gott der Herr aber ließ eine Staude wachsen; die wuchs über Jona, dass sie Schatten gäbe ... Aber am Morgen, als die Morgenröte anbrach, ließ Gott einen Wurm kommen; der stach die Staude, dass sie verdorrte" (Jona 4,6). Das Buch Jona aus der Bibel ist 2500 Jahre alt. Doch erst jetzt haben Insektenforscher der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) und der Hebrew University in Jerusalem den "Wurm" identifiziert, der den Schatten spendenden Strauch eingehen ließ:

Es handelt sich dabei um die Raupe eines Bärenspinners. "Olepa schleini" wurde die neu entdeckte Art benannt - nach dem israelischen Parasitenforscher Yosef Schlein.

Auf die Erkenntnis, dass genau die Schmetterlingsraupe "Olepa schleini" Jona über Nacht seines Schutzes vor der sengenden Sonne beraubte, stießen die Forscher allerdings zufällig, wie der Parasitologe Günter Müller von der Hebrew-Universität berichtet.

"In unserem Projekt ging es um die Katalogisierung der Fauna in Israel", erläutert Müller. Dabei entdeckten die Insektenforscher auch den bislang nicht beschriebenen Schmetterling, "eine eigenständige Art, die schon lange in Israel heimisch ist", so Müller.

Die Verbindung zum biblischen Wurm stellte schließlich der Rizinus-Strauch her, von dem sich die Raupe von "Olepa schleini" ernährt. "Beim Rizinus-Strauch fiel mir sofort die Bibelstelle ein", sagt Axel Hausmann von der ZSM, gemeinsam mit Müller Leiter des Projekts.

Denn Raupen, die in ganzen Schwärmen über diese Pflanze herfallen, waren bislang unbekannt, wie Hausmann betont: "Rizinus ist sehr giftig und wird ja teilweise auch als Insektizid eingesetzt."

Dass es sich bei der Schatten spendenden Pflanze aber um einen Rizinus-Strauch handelt und nicht, wie früher oft angenommen, um Efeu oder Kürbis, ist heute unter den meisten Botanikern und Bibelwissenschaftlern unumstritten.

Somit ist das Fressverhalten von "Olepa schleini" ein starkes Indiz für dessen Täterschaft in der biblischen Geschichte. Einen weiteren Hinweis liefert deren Verlauf: Gott schickt den Wurm vor Sonnenaufgang. Die Olepa-Raupen fressen tatsächlich nur nachts und verkriechen sich tagsüber im Laub am Boden.

Dass die Raupen Jona innerhalb einer einzigen Nacht den Sonnenschutz zerstörten, sei zwar nicht unbedingt wörtlich zu nehmen, so Hausmann. "Aber Olepa schleini ist durchaus in der Lage, einen Strauch in relativ kurzer Zeit stark zu schädigen." Unbekannt ist bisher, warum den Raupen das Gift der Pflanze nicht schadet.

Lexikon aktuell: Schmetterlinge in Israel

In Israel sind mehr als 1500 Arten bekannt. Die Zoologische Staatssammlung (ZSM) hat sie seit 1986 zusammen mit Partnern wie der Hebrew University erfasst. Die Nachtfalter stellen die größte Gruppe dar. Vom 10. November bis 9. Dezember zeigt eine Ausstellung in der ZSM einige der Arten (Münchhausenstr. 21, München). Am 12. November ist zudem von 9 bis 17 Uhr Tag der offenen Tür in der ZSM.

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