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Bild-Chefredakteur Kai Diekmann

Bild.de sucht Video-Sklaven

Die Onlineausgabe der Bild-Zeitung will mit einer Billig-Videokamera tausende Videoamateure für sich arbeiten lassen. Lesen Sie mehr dazu im Scout.

Stellen Sie sich vor ihr Nachbar kauft sich eine Videokamera, filmt über den Gartenzaun in ihr Wohnzimmer und stellt das Video ungefragt auf das Onlineportal der Bild-Zeitung. Unvorstellbar, denn Sie haben erstens einen netten Nachbarn und zweitens wüsste der eh nicht, wie er ein Video ins Netz stellen kann?

Der Axel-Springer-Verlag, Herausgeber der Bild-Zeitung und Betreiber von Bild.de, hat bekanntgegeben, dass ab dem 4. Dezember bei Lidl die "Bild.de-Leserreporter-Videokamera" zu einem Preis von 69,99 Euro angeboten wird. Im Kaufpreis enthalten ist eine Software, die es zum Kinderspiel machen soll, aufgenommene Videos an Bild.de zu liefern.

Lesen Sie hierzu auf der Konzernwebsite von Springer die entsprechende Pressemitteilung. Bild-Chef Kai Diekmann wird dort mit der Aussage zitiert, er halte die Einbindung der Leser in die Erstellung journalistischer Inhalte für einen Schritt in der Medienevolution.

Die Frankfurter Rundschau schreibt, dass der Deutsche Journalistenverband (DJV) das ganz anders sieht. Dort befürchtet man den Verfall des Qualitätsjournalismus. Was DJV-Chef Michael Konken außerdem von dem Vorstoß der Bild.de-Macher hält, erfahren Sie im Beitrag der FR.

Dass es Bild-Chefredakteur Diekmann dabei einzig und allein um billige Videozulieferung durch die Leserreporter geht, vermutet man im Branchen-Blog Turi2. Dort ist außerdem die Rede vom "Angriff der tausend Leserreporter". Die Gefahr: Die Bundesbürger könnten beginnen, sich im Sinne von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble selbst per Video zu überwachen.

Bereits im September hatte Diekmann angekündigt, besonders verdiente Leserreporter kostenlos mit einer Videokamera ausstatten zu wollen.

Die Kritiker am Modell der Bild-Leserreporter befürchten, dass Menschen aus Sensationslust und mit Blick auf die mögliche Geldprämie in Gefahrensituationen nur noch "Draufhalten" statt sich und andere zu schützen. Das Bildblog - eine Website, die die Berichterstattung der Bild-Zeitung kritisch hinterfragt -, hat Diekmann jüngst mir seinen eigenen Waffen geschlagen. Bei einem seiner öffentlichen Auftritte haben die Macher des Bildblogs Diekmann mit der Kamera auf Schritt und Tritt verfolgt. Zu sehen in diesem Video.

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