Bilder vom rasenden Herzen

- Herzpatienten können in Zukunft auf eine genauere Diagnose und verbesserte Früherkennung ihrer Erkrankung hoffen. Im Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ist jetzt ein neues Gerät in Betrieb, das auch von schnell und unregelmäßig schlagenden Herzen noch detailgenaue Abbildungen liefert.

Zudem können Herzkranzgefäße mit besserer Auflösung dargestellt werden. Damit werden neue Einblicke in die Funktionsweise und die Krankheiten des Organs möglich. Um sehr schnell schlagende Herzen mit Hilfe der Computertomographie auf mögliche Krankheiten präzise erkunden zu können, mussten die Mediziner den Patienten meist Betablocker verabreichen. Diese setzten erst einmal die Herzfrequenz herab.

"Die belastende Behandlung ist nun in den meisten Fällen nicht mehr nötig", erklärt Professor Maximilian Reiser, Direktor des Instituts für Klinische Radiologie am Klinikum Großhadern. "Jetzt können wir auch Herzen untersuchen, die eine Frequenz von 140 Schlägen pro Minute haben." Möglich wird das durch eine Technologie, die auf zwei gleichzeitig eingesetzten Röntgenquellen basiert. Die Ingenieure nennen das neue System "Dual-Source-Computertomographie" (DSCT).

Sobald der Patient in der Röhre des Computertomographen liegt, rotieren um seinen Körper statt einer zwei Röntgen-Quellen, die im Winkel von 90 Grad zueinander angeordnet sind. Durch Abtasten entstehen einzelne Schnittbilder vom Aufbau des Herzens. Ein Computerprogramm setzt sie im Anschluss zu dreidimensionalen Darstellungen zusammen. Trotz der zwei Röntgenquellen ergibt sich bei einer Untersuchung für den Patienten nicht die doppelte Strahlenbelastung, betont Reiser. Im Gegenteil: Insgesamt konnte diese im Vergleich zu bisherigen Geräten weiter reduziert werden.

Möglich wird die schonende Behandlung durch eine Technik, die die Strahlen der Röntgenquellen an die Schlagfrequenz des Herzens anpasst. Die verbesserten Bilder vom Herzen helfen zum Beispiel bei der Erkundung der Kranzgefäße des Organs: Die Radiologen können besser beurteilen, ob die Gefäße problemlos arbeiten oder ob sie zum Beispiel eingeengt sind. Zudem erhoffen sich die Mediziner ein besseres Erkennen und Bewerten von so genannten Plaques. Diese entstehen an den Innenwänden von Blutgefäßen bei erhöhten Cholesterinwerten.

Mit der Zeit machen die Plaques die Gefäße immer enger. Dadurch kann es passieren, dass die spröde gewordene Innenhaut der Adern reißt. Der Körper versucht, die Risse abzudichten, indem er Blutgerinnsel bildet. Diese können die Blutgefäße verschließen. Die Folge kann ein Herzinfarkt sein. "Durch ein frühzeitiges Erkennen solcher Plaques in den Gefäßwänden wollen wir diese Vorboten der koronaren Herzkrankheit rechtzeitig analysieren", erklärt Privatdozent Christoph Becker vom Institut für Klinische Radiologie. "Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland immer noch Todesursache Nummer eins", so der Radiologe.

Die neue Technologie soll dazu beitragen, die Frühdiagnostik zu verbessern. Auch die Krebsdiagnose soll verbessert werden Neben der besseren Früherkennung von Krankheiten am Herzen oder an Blutgefäßen wollen die LMU-Mediziner das Gerät auch bei der Krebsdiagnose und Erkennung von Metastasen einsetzen. "Mit der Technologie können wir auch verlässlichere Aussagen als bisher treffen, inwieweit zum Beispiel ein Knochen von einem Krebsgeschwür betroffen ist", erklärt Reiser.

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