Bildungsolymp 150 Jahre alt

- Nicht jeder darf hier rein. Ein Polizeibeamter wacht an der Pforte darüber, dass nur der durch das Drehkreuz schreitet, der auch das Recht dazu hat. Im Inneren des Maximilianeums fühlt sich der Besucher auf den ersten Blick ein wenig wie in einem Museum: Alte Ölgemälde hängen an den Wänden, und einige Marmorstatuen zieren den Prachtbau. Hier hat der Landtag sein Zuhause.

<P>Doch das Prunkgebäude in Bogenhausen beherbergt außerdem seit 150 Jahren die Créme de la Créme des bayerischen Bildungswesens. König Maximilian II rief damals die Stiftung Maximilianeum ins Leben, um talentierte Schulabgänger für den Staatsdienst zu gewinnen. 728 Abiturienten verbrachten seitdem einen Teil ihres Studentenlebens in der noblen Unterkunft. <BR>Feiner Stuck, hohe Wände und Parkettboden zeichnen den studentischen Block aus.</P><P>Nobelpreisträger, Autoren und Ministerpräsidenten waren hier zu Hause. Auch Franz-Josef Strauß bewohnte eines der geräumigen Stipendiaten-Zimmer. Er war neben dem Physiker Werner Heisenberg und dem Schriftsteller Carl Amery bisher wohl der prominenteste Maximilianeer.<BR>Die wirklichen Vorteile, die das Maximilianeum für seine Schützlinge bereit hält, offenbaren sich aber erst auf den zweiten Blick: Die Stiftung garantiert freie Kost und Logis und fast 500 Euro pro Monat.</P><P>Dazu haben die Stipendiaten einen eigenen Koch, Wasch- und Putzservice und ein Schwimmbad im Keller. Die materiellen Leistungen sind nur ein Teil dessen, was die Stiftung bietet. Austauschprogramme mit Elite-Universitäten wie Oxford gehören genauso zu den Vorteilen wie der Umstand, dass sich auf den Ehemaligentreffen immer wieder bekannte Persönlichkeiten einfinden.<BR><BR>Dass die Stipendiaten später leichter einen guten Job bekommen, nur weil sie im Maximilianeum waren, glauben die Wenigsten. "Vielleicht wird man häufiger zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Überzeugen muss jeder einzelne aber allein", meint Christoph Rührmair, einer von 40 Stipendiaten, die derzeit neben dem Landtag leben. Der Mathematik- und Informatikstudent kann sich noch genau daran erinnern, wie er von seiner Aufnahme erfuhr. "Mich rief ein Journalist unserer Lokalzeitung an. Der wusste es noch vor mir", sagt der 27-Jährige. </P><P>Der Weg in die geheiligten Hallen ist weit. Nur sechs von etwa 30 000 Abiturienten im Freistaat und der ehemaligen Kurpfalz steigen jedes Jahr in Bayerns Bildungsolymp auf.<BR>Für das Maximilianeum zählen die Grenzen Bayerns von 1852. Deshalb sind auch Schulabsolventen aus Kaiserslautern dabei. "Jeder Bewerber darf am Gymnasium in keinem Fach weniger als 13 Punkte haben und muss von einem Schulleiter empfohlen werden", sagt Hans-Peter Beißer, Vorstand des Maximilianeums. Außerdem muss jeder Interessent, der im Freistaat wohnt, eine Begabtenförderungsprüfung bestehen. Die 15 Abiturienten, die bei diesem Test am besten abschneiden, können an der mündlichen Endausscheidung teilnehmen. Beißer: "Wir legen nicht nur Wert auf fachliches Wissen, sondern auch auf Sozialkompetenz."<BR> <BR>Frauen gibt es im Maximilianeum seit 1980. Mittlerweile haben 39 Studentinnen ein Stipendium erhalten. Tina Dangl ist eine von ihnen. "Ich fühle mich hier wirklich wohl", sagt die 22-Jährige. Wie an den Universitäten ist auch bei der Stiftung das schwache Geschlecht auf dem Vormarsch.<BR>In diesem Jahr waren drei Frauen unter den sechs Auserwählten. "Mit dem Elitebegriff geht man im Maximilianeum locker um. Zu meiner Studienzeit war der Begriff noch negativ besetzt. Gott sei Dank hat sich das geändert. Es ist wichtig sowohl die Begabten, als auch die Schwächeren zu fördern", sagt Beißer.</P><P>Die betont unpolitische Stiftung hat sich in vielen Dingen in den letzten Jahren geöffnet - und so verwundert es nicht, dass der Polizist auch nicht für den Schutz der Studenten, sondern des Landtags zuständig ist.</P>

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