"Bis August bleibt's warm"

- München - Nein, mit einem weithin bekannten braunen Zotteltier hat das Hochdruckgebiet Bruno nichts zu tun. Auch wenn es zum großen Teil für die bärige Hitze verantwortlich ist, die derzeit über dem Freistaat liegt. Mit Beginn der Weltmeisterschaft Anfang Juni hielt der Sommer bei uns Einzug und hat sich seitdem noch nicht wieder verabschiedet. Auch wenn ein Jahrhundertsommer wie 2003 wohl nicht zu erwarten ist, einen Rekord-Juli konstatieren die Meteorologen schon jetzt.

Dabei ging alles ganz harmlos los. Nach dem Endlos-Winter blieb das Frühjahr durchwachsen. Die findigen Meteorologen von Donnerwetter prognostizierten sogar wechselhaftes Wetter und einen insgesamt "nicht rekordverdächtigen" Sommer.

Tatsächlich begann der Juni - für die Meteorologen der erste Sommermonat - mit Regen und wenig erfreulichen Temperaturen. "Die ersten zwölf Tage im Juni waren vier bis fünf Grad zu kalt", erklärt Gerhard Hofmann, Klimatologe vom Deutschen Wetterdienst in München.

Dann jedoch die Wende: Der Juni kam in Fahrt, das Thermometer schoss nach oben und unter dem Strich blieb: Knapp zwei Grad mehr als im langjährigen Mittel.

Siebenschläferregel zu 70 Prozent richtig

Nur Hobby-Wetterfrosch Josef Jägerhuber hat es mal wieder gewusst. Bereits Anfang des Jahres versprach er einen schönen Sommer. Und was das Juli-Wetter angeht, da verlässt sich der passionierte Wetterkundler auf den Siebenschläfer-Termin Anfang Juli. Warm und sonnig war es da. "Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag." Dass die alte Bauernregel durchaus ihre Berechtigung hat, wollen übrigens die Meteorologen von Donnerwetter.de errechnet haben. Nehme man den 7. Juli als den Siebenschläfer-Tag, dessen Termin reichlich umstritten ist, so sei die Bauernregel zu 70 Prozent richtig. Josef Jägerhuber prognostiziert folgerichtig: "Bis Mitte August wird es warm bleiben."

Sechs Wochen Sonne am Stück seit Anfang Juni, nur gelegentlich unterbrochen von Gewittern, stehen mittlerweile schon zu Buche. Das lässt hitzige Erinnerungen an den Jahrhundertsommer 2003 aufkommen. Doch Meteorologe Hofmann beruhigt: "Vom Juni und vom August 2003 sind wir meilenweit entfernt." Damals brannte die Sonne, bis zu sechs Grad mehr als normal waren die Konsequenz. Da blieben selbst hartgesottene Meteorologen sprachlos.

Dieses Jahr dagegen ist bei weitem verträglicher. Zurzeit ist in Bayern Wüstenklima angesagt, mit großen Temperatur-Schwankungen zwischen Tag und Nacht. Die heiße, trockene Luft kühlt sich nachts gut ab und garantiert guten Schlaf. Am Funtensee bei Berchtesgaden hatte es am Dienstagmorgen gegen fünf Uhr sogar minus vier Grad.

Auch von Wassermangel wie 2003 kann keine Rede sein. Damals war sogar der so genannte Hunger-Stoa im Chiemsee zu sehen, eine Felsnadel, die nur bei extrem niedrigem Pegel aus dem Wasser spitzt. "2003 war der Grundwasserspiegel der Münchner Schotterebene um 400 Millionen Kubikmeter zurückgegangen", erklärt zudem Thomas Henschel vom Landesamt für Umwelt. "Das entsprach etwa dem Volumen des Tegernsees."

Schwüle Temperaturen

und Gewitter stehen bevor

Heuer bleiben die Vorräte bisher gut gefüllt, auch dank des langen und schneereichen Winters. Der Pegel des Sylvensteinspeichers liegt einigermaßen stabil auf 750 Metern: Normalhöhe. Ein paar Sommergewitter haben ausgereicht, um das Wasserreservoir, das die Isar füllt, den restlichen Sommer zu sichern. Ein Risiko bleibt aber dennoch: Das Innenministerium bewertet die Waldbrandgefahr derzeit als hoch. Die rund 330 Beobachter der Luftrettungsstaffel überwachen deshalb aus ihren Flugzeugen die bayerischen Wälder.

Dafür ist der Badespaß im Freistaat garantiert. Laut Henschel liegen die bayerischen Seen derzeit durchgehend über 20 Grad. Und selbst Isar-Badende müssen bei rund 19 Grad nicht frieren.

Eindeutig auf Rekordkurs befindet sich in diesem Jahr der Juli. Die Sonne hat jetzt schon annähernd ihr statistisches Soll erfüllt. Selbst der Top-Wert von 302 Stunden Sonnenschein aus dem Juli 2003 könnte fallen, glaubt Meteorologe Hofmann. Auch sonst ist der Monat auf einem guten Weg. "Wenn's so weiter geht, dann kommen wir durchschnittlich auf etwa vier Grad mehr als im Mittel", prognostiziert Hofmann. "Das wäre dann der wärmste Juli seit etwa 50 Jahren." 32 Grad in München und in Würzburg waren die diesjährigen Spitzenwerte in Bayern. In den nächsten Tagen dürften diese übertroffen werden. Bis zu 36 Grad stehen uns bevor - allerdings wieder mit schwülwarmem Wetter und Gewittergefahr.

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