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Ein Trojaner hat zehntausende Computer rund um den Globus lahmgelegt.

Angriff zufällig bemerkt

BKA ermittelt zu Cyber-Attacke - Regierung nicht betroffen

Berlin - Das Bundeskriminalamt ermittelt strafrechtlich zu der weltweiten Cyber-Attacke, die zehntausende Computer lahmlegte. Die Netzwerke der Regierung sind aber nicht betroffen.

Nach dem weltweiten Cyberangriff mit einer erpresserischen Schadsoftware hat das Bundesinnenministerium Entwarnung für die Computernetzwerke der Bundesregierung gegeben. "Die Regierungsnetze sind von dem Angriff nicht betroffen", teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Samstag mit. Der "hochprofessionelle Schutz" durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) habe sich ausgezahlt. Das Bundeskriminalamt (BKA) habe die strafrechtlichen Ermittlungen zu der Cyberattacke übernommen.

De Maizière sprach von "erheblichen Cyber-Sicherheitsvorfällen". Auch wenn die Attacke besonders schwerwiegend sei, füge sie sich "in die sehr angespannte Cyber-Bedrohungslage" an und sei nicht die erste ihrer Art. Von dem Angriff am Freitag sind tausende Unternehmen, Einzelpersonen und Behörden in dutzenden Ländern betroffen. Die Angreifer setzten im Betriebssystem Windows eine Schadsoftware ein, die Computerdaten verschlüsselt und nur gegen Geld wieder freigibt.

Wie viele Unternehmen und Einrichtungen sind betroffen?

Die weltweite Cyber-Attacke hatte am Freitag Zehntausende Computer von Unternehmen, Behörden und Verbrauchern lahmgelegt. Bei der Deutschen Bahn seien teilweise digitale Anzeigetafeln sowie Ticketautomaten an Bahnhöfen ausgefallen, teilte ein Sprecher in Berlin mit. Auch die Bahn-Technik zur Videoüberwachung ist einem Sprecher des Bundesinnenministeriums zufolge betroffen. Nach Angaben der Bahn ist der bundesweite Zugverkehr durch den Trojaner allerdings nicht beeinträchtigt. Reisende wurden aber gebeten, sich vor Fahrtantritt im Internet über Abfahrtszeiten und -gleise zu informieren.

Die IT-Sicherheitsfirma Avast entdeckte rund 75 000 betroffene Computer in 99 Ländern, mit einem Schwerpunkt auf Russland, der Ukraine und Taiwan. In der Nacht zum Samstag wurde die Angriffswelle gestoppt, weil ein IT-Sicherheitsforscher auf eine Art „Notausschalter“ in der Schadsoftware stieß.

Die Computer wurden von sogenannten Erpressungstrojanern befallen, die sie verschlüsseln und Lösegeld verlangen. Dabei wurde Experten zufolge eine Sicherheitslücke ausgenutzt, die ursprünglich vom US-Abhördienst NSA entdeckt worden war, aber vor einigen Monaten von Hackern öffentlich gemacht wurde. Die Schwachstelle wurde zwar bereits im März grundsätzlich von Microsoft geschlossen - aber geschützt waren nur Computer, auf denen das Update installiert wurde.

Die Angreifer scheinen eine Art Notbremse in ihr Programm eingebaut zu haben - und die Attacke wurde abgewürgt, nachdem ein IT-Forscher diesen Mechanismus auslöste.

Grüne: Cyber-Attacke „maximal ernstnehmen“

Die weltweite Cyber-Attacke ist nach Ansicht der Grünen „maximal ernstzunehmen“. Konstantin von Notz, der netzpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, sagte am Samstag: „Solche Attacken auf Krankenhäuser und andere Infrastrukturen sind lebensgefährlich.“

Auch Europol bezeichnet den Angriff als einen Vorfall „bislang beispiellosen Ausmaßes“. Die Suche nach den Schuldigen erfordere eine "komplexe internationale Untersuchung", teilte Europol am Samstag im niederländischen Den Haag mit. Die eigenen Experten arbeiteten mit den nationalen Behörden und Industrieunternehmen zusammen, um die Bedrohung einzudämmen.

Microsoft hat sogar das 16 Jahre alte Windows XP mit einem Sicherheits-Patch versehen. Die Aktualisierung soll Windows-Rechner gegen den Verschlüsselungs-Trojaner WannaCry wappnen, schreibt das Portal heise.de.

AFP/dpa

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