Blogs und Bilder: Aufstand im Internetzeitalter

Hamburg - Verwackelte Bilder demonstrierender Mönche, körnige Videoaufnahmen aufmarschierender Sicherheitskräfte und kleine oppositionelle Radiosender, die sich plötzlich großer Zuhörerschaft erfreuen.

Obwohl das Militärregime in Birma das asiatische Land abgeriegelt hat, finden die friedlichen Demonstrationen zehntausender Mönche im Gegensatz zu früheren Protesten diesmal vor den Augen der Weltöffentlichkeit statt.

In westlichen Fernsehsendern laufen immer wieder Videos, die Birmaner heimlich mit Digitalkameras oder Mobiltelefonen aufgenommen haben. Die meisten Autoren dieser Augenzeugenberichte wollten aus Furcht vor Repressalien nicht mit Namen genannt werden, erklärt eine Moderatorin im US-Nachrichtensender CNN. Aber sie wollten der Welt das Ausmaß der Proteste und die Reaktion der Staatsmacht vor Augen führen. Auch der britische Sender BBC veröffentlicht die Videos und Fotos. Einige dieser Fotos sind offensichtlich von westlichen Touristen aufgenommen worden.

Blogger tragen ebenfalls zur Verbreitung der Nachrichten aus Birma bei: Der aus Birma stammende und in London lebende Ko Htike verwandelte nach Angaben der BBC seine literarische Internetseite kurzerhand in einen Nachrichtenkanal. Er habe etwa zehn Leute an verschiedenen Orten unter den Demonstranten in Birma. "Sie marschieren mit, und sobald sie ein paar Bilder haben, rennen sie in ein Internetcafé und schicken sie mir", sagte er der BBC.

Aus Norwegen sendet derweil der kleine Sender Democratic Voice of Burma (Demokratische Stimme Birmas) Informationen für die Bevölkerung in Birma über Kurzwelle und Satellit. Aber auch für westliche Journalisten erweist sich der kurz nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi 1991 mit norwegischem Geld gegründete Sender als wichtige Informationsquelle. Der Sender hat nach Angaben von Experten etwa 30 Journalisten in Birma, die für ihn berichten oder ebenfalls Bilder und Videos über das Internet schicken.

Da ausländische Korrespondenten kaum ins Land kommen, sind westliche Medien auf die Berichterstattung inländischer Journalisten und privater Augenzeugen angewiesen. Doch dies wird nach Angaben von Katrin Evers von Reporter ohne Grenzen immer schwieriger. Birmanische Journalisten und Augenzeugen setzten sich großen Gefahren aus.

Schon lange überwache das Regime die wenigen Internetcafés streng, sagte Evers der Deutschen Presse-Agentur dpa. So seien dort seit längerem automatisch alle fünf Minuten sogenannte Screenshots gemacht worden, mit deren Hilfe die Sicherheitsbehörden genau sehen könnten, welche Seiten im Internet besucht wurden. Doch inzwischen habe die Junta die Sperren und Überwachungen noch verschärft und auch Mobilfunkfrequenzen blockiert.

Die birmanischen Journalisten und Augenzeugen müssten deshalb immer neue Tricks anwenden, um die Überwachungsmaßnahmen des Regimes im Internet zu überwinden, sagte Evers. In manchen Fällen würden die Bilder über die Grenze geschmuggelt und erst von dort aus über das Internet verschickt, was natürlich länger dauere. Doch auch wenn die Bedingungen schwieriger werden, so scheint es den Generälen nicht zu gelingen, die Flut der wackligen Bilder zu stoppen. Nach Ansicht von Experten hatten sie die Macht des Internets einfach unterschätzt.

dpa

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