Borneos Waldmenschen haben eine ungewisse Zukunft

- Alle zwei Wochen fährt Sheena James mit dem Motorboot tief in den Regenwald im nördlichen Teil Borneos. Vom Boot aus wirkt der Dschungel undurchdringlich. Doch kaum liegt das Boot am Steilufer, findet die zierliche Chinesin nach kurzer Wanderung durch das Dickicht mühelos ihren Weg zu ihrem Forschungsziel, den zotteligen Orang-Utans. Nur noch wenige der Primaten, die mit dem Menschen so nah verwandt sind, leben hier im malaysischen Bundesstaat Sabah in der Wildnis.

Exakt 27 "Waldmenschen" (das bedeutet Orang Utan auf malaiisch) leben in dem Naturschutzgebiet, nahe dem Fluss Kinabatangan. Dort beobachtet die junge Chinesin das Verhalten der bis zu ein Meter großen Menschenaffen seit über fünf Jahren. Manchmal ist es eine etwas langwierige Arbeit, denn die Tiere sitzen am liebsten hoch in den Baumkronen des tropischen Regenwaldes, kauen genüsslich an tropischen Früchten und rühren sich nicht vom Fleck. Doch für Sheena James sind auch kleine Bewegungen von Interesse, kaum jemand kennt die Tiere hier besser als sie.<BR><BR>Die junge Forscherin von der Universität Malaysia-Sabah schreibt im Auftrag der Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) ihre Masterarbeit über die Verhaltensweisen der scheuen Regenwaldbewohner. "Mit dem rasanten Kahlschlag der Regenwälder verlieren auch die Orang-Utans immer mehr von ihrem Lebensraum", erklärt James, während sie mit einem Fernglas die Menschenaffen in den fast 30 Meter hohen Baumwipfeln verfolgt.<BR><BR>Die Orang Utans, in deren Gesichtern manchmal sehr menschliche Züge aufblitzen, leben frei nur noch auf Borneo und Sumatra. Man unterscheidet zwei Unterarten: auf Borneo den Pongo pygmaeus pygmaeus, auf auf Sumatra Pongo abelii. Ihr Lebensraum wird jedoch täglich enger. "Alleine auf Borneo haben die Tiere seit den 70er-Jahren mehr als 80 Prozent des Lebensraumes verloren", sagt die Biologin. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten noch 315 000 Tiere hier in Südostasien, jetzt sind es nur noch 55 000. Die verbleibenden Populationen zogen sich durch den Kahlschlag der Wälder in 300 einzelne Gebiete zurück. "Dadurch ist der genetische Austausch der isolierten Gruppen unterbrochen, durch Inzucht nehmen Krankheitsfälle rapide zu", sagt James.<BR><BR>Hinzu kommt, dass jeden Monat nach Schätzungen des WWF etwa 30 bis 40 junge Orang-Utans von skrupellosen Jägern von Borneo nach Java transportiert werden und dort auf den lokalen Märkten für rund 1 500 Euro an vergnügungssüchtige Kunden verkauft werden. "Für jedes verkaufte Menschenaffen-Baby müssen etwa sechs ältere Tiere zusätzlich ihr Leben lassen", erklärt James. Denn keine Orang-Utan-Mutter gibt ihren Nachwuchs ohne zu kämpfen auf. Viele der gejagten Tiere landen nach Jahren wieder, völlig verstört, in den Aufzucht- und Auffangstationen, die die malaysische und auch die indonesische Regierung mittlerweile für die Menschenaffen eingerichtet haben.<BR><BR>Trotz der vielen Gefahren, die den Orang-Utans durch die Profitgier der Menschen drohen, ist Sheena James aber zuversichtlich: "Die Menschenaffen haben eine Überlebenschance. Orang-Utans werden etwa 45 Jahre alt", sagt sie. "Alle acht Jahre kann ein Weibchen Nachwuchs bekommen.<BR><BR>Sheena James hat bei ihren Verhaltensstudien festgestellt, dass die Menschenaffen auf Borneo sehr anpassungsfähig sind. Sie können sogar in kontrolliert geschlagenen Wäldern überleben. "Darin", sagt sie, "liegt auch die Überlebenschance dieser charismatischen Botschafter der Regenwälder." Noch 55 000 Orang Utans leben in Südostasien in Freiheit. Ihr bevorzugter Lebensraum sind die Baumwipfel, wo sie sich auch ihre Schlafnester bauen. Utans bewegen sich gemächlich, von allen Affen haben Orang Utans die längsten Arme, und wie die anderen Primaten klettern sie mit allen vieren, obwohl sie auch aufrecht laufen können. Im allgemeinen sind sie Einzelgänger und ernähren sich von Pflanzen. Am liebsten verspeisen sie Früchte, daneben Blüten, Knospen, junge Blätter und weiche Rinde. 

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