Brille mit Horizont bei Übelkeit

- In den Sommerferien wird es wieder kritisch: Vielen Reisenden, vor allem Frauen und Kindern, wird im Auto, Schiff oder Flugzeug schlecht. Es klingt komisch, aber der erste Hinweis darauf, dass einem schlecht wird, ist das Gähnen. Danach bricht der Schweiß aus und dann kommt die Übelkeit. In dem Moment kann man nur noch anhalten und aussteigen. Wenn man es denn kann und nicht in einem Flugzeug oder Schiff sitzt.

Für Eltern mit Kleinkindern mag es beruhigend sein, dass Säuglinge praktisch nie betroffen sind. Für alle anderen ist es tröstlich, dass die Reiseübelkeit etwa nach dem 50. Lebensjahr seltener wird und dass es Tricks gegen die Krankheit gibt.Die Ursache ist bekannt: Das Gehirn läuft Amok, weil die Sinneseindrücke einander widersprechen. Wer etwa im Auto sitzt und liest, der vermittelt über seine Augen die Information an das Gehirn, dass alles ruhig ist (denn die Buchstaben auf den Seiten bewegen sich ja nicht), das Gleichgewichtsorgan im Ohr meldet dagegen, je nach Fahrstil, heftige Bewegungen in alle Richtungen. Auch die Bewegungsmelder in den Muskeln registrieren jede Kurve und jede Bremsung, immerhin müssen sie den Körper durch Ausgleichsbewegungen im Gleichgewicht halten. Von diesen scheinbaren Fehlinformationen überfordert gibt das Gehirn auf, und man fühlt sich zum Sterben krank.Im Auto kann man anhalten und damit das Gleichgewichtsorgan beruhigen. Oft reicht es aber auch schon, mit dem Lesen aufzuhören, denn wenn man die Landschaft vorbeifliegen sieht und Kurven nicht nur spürt sondern auch kommen sieht, stimmen die Sinneseindrücke wieder.Im Flugzeug, Schiff oder Bus kann man zwar nicht aussteigen aber zumindest die Augen schließen. Zwar schlingert das Schiff dann weiter, zwar gibt es in der Luft weiter Turbulenzen, aber das Auge vermittelt keine scheinbar falschen Informationen mehr ans Gehirn. Wer es noch kann, sollte sich im Schiff an Deck begeben und den Horizont betrachten. Auch dann stimmen die Eindrücke von Auge und Gleichgewichtsorgan wieder überein. Ansonsten: Hinlegen und Augen zu.Ein Tipp zur Vorbeugung: In Schiff, Bus und Flugzeug sollte man dort sitzen, wo die Sicht gut und die Schaukelbewegungen am geringsten sind. Das heißt, im Flugzeug auf der Höhe der Flügel, im Schiff im Mittelteil und im Bus am besten direkt hinter dem Fahrer.Ein neuer Technik-Trick kommt von der Firma Swiss-Tech: eine Brille mit künstlichem Horizont. Das Prinzip ist sehr einfach: Eine durchsichtige Scheibe mit einem aufgemalten waagerechten Balken hängt zwischen zwei Brillengläsern. Bei jeder seitlichen Bewegung, etwa wenn das Schiff schwankt, bewegt sich auch der Balken. Und der wird vom Gehirn als Horizont wahrgenommen.

Professor Wolfgang Elies, HNO-Chef am Klinikum Bielefeld: "Mit dem künstlichen Horizont ist genau das Kernproblem gelöst, passen doch die Sinnesinformationen von Augen und Gleichgewichtsorganen wieder zusammen."Wer mit Zigaretten eine Übelkeit bekämpfen will, der täuscht sich: "Wir konnten in einer Studie nachweisen, dass Nikotin die Symptome sogar verstärkt", berichtet Professor Michael Strupp, Leiter der Schwindelambulanz am Klinikum Großhadern der Uni München. Zum Alkoholeinfluss gibt es noch keine Studien.Reisepflaster gegen Übelkeit, die man hinter das Ohr klebt, sind rezeptflichtig. Wer sie nehmen will, muss vorher zum Arzt. Strupps Tipp: "Wir empfehlen den Patienten, das Pflaster vor dem Reiseantritt auszuprobieren, um herauszufinden, welche Nebenwirkungen auftreten werden." Über die Wirkung von Akupunktur und Akupressurarmbändern gegen Übelkeit gibt es bisher nur Erfahrungsberichte, aber keine Studien. Übrigens machen auch schlechte Erfahrungen reisekrank: Wer immer über der Reling hängt , ist auch beim nächsten Mal ein Fall für Übelkeit.

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