Bronzezeitschwert aus der Fälscherwerkstatt?

- Gehört ein Stückchen Bernstein wirklich zu dem legendären Bernsteinzimmer? Stammt das Zinn für die trojanischen Bronzewaffen aus Cornwall oder doch aus Usbekistan? Ist das Gemälde, das ich erworben habe, tatsächlich echt? Dies alles sind Fragen, die Archäologen und Kunstsammler brennend interessieren.

<P>Im Archäometriezentrum am Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim, einem An-Institut der Universität Tübingen, ist man möglichen Fälschern auf der Spur. "Wir können hier mit naturwissenschaftlichen Methoden die Herkunft und die Zusammensetzung von Rohstoffen aufklären und herausfinden, wie diese hergestellt wurden", erklärt Professor Ernst Pernicka, der Leiter des Zentrums. "In unseren Labors entlarven wir Imitationen. Wir befinden uns sozusagen in einem Wettlauf mit den Fälschern, so wie die Polizei mit Ganoven."</P><P>Fälschungen von Kunstgegenständen und archäologischen Fundstücken werden immer besser, da darf die Wissenschaft nicht tatenlos zuschauen. In den letzten Jahren wurden neue Techniken entwickelt, mit denen man Funde aus Buntmetall oder auch Gold auf ihre Echtheit überprüfen kann. "Heute lässt sich mit Röntgenfloureszenz, Neutronenaktivierung oder Emmissionsspektroskopie feststellen, ob etwa Materialien die für die Antike charakteristischen Spurenelemente enthalten", erklärt Pernicka. "Doch oft zeigt uns schon ein Blick durch ein Mikroskop, ob Goldblech gehämmert oder modern gewalzt worden ist oder ob Drähte geschnitten oder neuzeitlich gezogen sind."<BR><BR>Pernickas Team hat auch die berühmte aber umstrittene Himmelsscheibe von Nebra untersucht. Sollte die Scheibe keine Fälschung sein, so wäre sie die erste bekannte Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte und eröffnet tiefe Einblicke in die astronomischen Kenntnisse der vorgeschichtlichen Menschen. Gefunden wurde sie 1998 in der Nähe des Dorfes Nebra in Sachsen-Anhalt.<BR><BR>Pernicka ist von ihrer Echtheit überzeugt. Das Team untersuchte vor allem die Spurenelemente des Kupfers, die sie mit bekannten Kupfervorkommen verglichen. "Die Himmelsscheibe wurde um das Jahr 1600 vor Christus in der Erde deponiert, davor war sie über zwei Jahrhunderte im Gebrauch und wurde von Menschenhand noch nachträglich verändert", erklärt Pernicka. "Ihre Schöpfer haben Rohstoffe aus Mitteleuropa verwendet, wie etwa das Kupfer aus den Ostalpen", ist sich der Archäologe sicher.</P><P>Im Archäometriezentrum werden aber auch Gemälde auf ihre Echtheit untersucht. Hier ist für die Wissenschaftler vor allem die Patina ein gutes Indiz für Fälschungen. "Eine Patina besteht aus Kristallen, die in Jahrhunderten gewachsen sind", sagt Pernicka. "Oft reicht da schon ein Blick durchs Mikroskop, um Fälschungen ans Licht zu bringen." Doch es gibt auch Patina, die täuschend echt gefälscht ist. Dann bleiben den Forschern noch die Farbpigmente. "Die im Spätmittelalter verarbeiteten Pigmente wie Bleiweiß oder Ultramarin sind in ihrer damaligen Konsistenz nicht mehr im Gebrauch. Sie sind heute feiner gemahlen oder mit Zusätzen erhältlich", so Pernicka, "die Verwendung entsprechender moderner Farben können wir mit archäometrischen Verfahren nachweisen."</P>

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