Brüsseler Staub über Osteuropa

- Wie viele Einwohner hat die Hauptstadt von Litauen? Mit welcher Währung bezahlt man in der Slowakei? Und wie hieß doch gleich der Regierungschef von Bulgarien? Was Kenntnisse über unsere östlichen Nachbarn betrifft, sieht es bei den meisten noch recht mau aus. Diesen Missstand zu beheben, ist das ehrenwerte Anliegen von www.mehr-europa.de. Eine Fülle von Daten und Fakten ist hier zu finden - doch dazu, echten Osteuropa-Enthusiasmus auszulösen, ist die Seite nicht angetan.

<P class=MsoNormal>In ein paar Jahren gehören sie alle zur großen EU-Familie: zehn, zwölf, vielleicht 13 mittel-, ost- und südeuropäische Staaten. Die erste große Erweiterungsrunde mit Kandidaten von Malta bis Estland ist für 2004 angepeilt. Bulgarien und Rumänien sollen 2007 folgen. Und, wer weiß, irgendwann vielleicht auch die Türkei.</P><P class=MsoNormal>"Unsicherheit und Unwissenheit schaffen Ängste", sagt Axel R. Bunz, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland, zur neuen Website. Seine Behörde hat gemeinsam mit dem Informationsbüro des Europäischen Parlaments die Seite erstellt. Das Motto: Wissen schaffen, Vorbehalte abbauen.</P><P class=MsoNormal>Ein löblicher Ansatz. Und wenn uns die EU im Internet erklärt, wie die Erweiterung funktioniert, was ihre Ziele, Voraussetzungen und Auswirkungen sind, klappt das Vorhaben sogar recht gut. Knapp, präzise und verständlich erläutern die Autoren, was für Übergangsregelungen es für den Arbeitsmarkt gibt oder unter welchen Voraussetzungen die Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze wegfallen.</P><P class=MsoNormal>Wenn sich der User aber durch die 13 "Länderprofile" der Beitrittskandidaten klickt, meint er, den Staub Brüsseler Akten aus dem Computer rieseln zu sehen. "Spuren keltischer Zivilisation (Erzförderung) und der Einfluss des römischen Reiches weisen auf die Besiedlung der heutigen Slowakei bereits vor der Ankunft slawischer Stämme im 5. und 6. Jahrhundert hin", erfahren wir hier. Nur: Lässt sich die Slowakei durch derartiges Brockhaus-Wissen dem ahnungslosen Westeuropäer erschließen?</P><P class=MsoNormal>Unter dem Stichwort "Meinungen" könnte es eigentlich noch mal richtig spannend werden. Drängt es die Tschechen und Slowaken gleichermaßen in die EU? Was für Sorgen und Nöte plagen die Zyprioten? Doch die Rubrik "Umfragen" führt lediglich zu einem 22 Seiten starken Dokument, dem auf Englisch abgefassten "Eurobarometer". Statistik-Liebhaber mögen den Drang verspüren, sich durch die trockene Datensammlung zu kämpfen. Otto Normal-User wohl kaum.  </P><P class=MsoNormal> Okay, nach dem Besuch von www.mehr-europa.de  wissen wir, dass Litauens Hauptstadt Wilna 542.287 Einwohner hat, die Slowaken in Heller und Kronen bezahlen und Simeon Saxe-Coburg-Gotha die Regierungsgeschäfte in Bulgarien führt. Die Lebenswirklichkeit in Osteuropa aber bleibt dem User so fremd wie vorher. Und ihr bürokratisches Langweiler-Image ist die EU auch nicht losgeworden. </P>

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