Brustkrebs erkennen und behandeln

- Die Diagnose ist gefürchtet: Brustkrebs. In Deutschland erhalten sie jedes Jahr etwa 48 000 Frauen. Doch muss ein Tumor in der Brust kein Todesurteil sein. Früh erkannt ist die Erkrankung heute gut behandelbar: Zwei Drittel der Patientinnen werden geheilt.

München - Brustkrebs ist weltweit der häufigste bösartige Tumor bei Frauen. Beinahe ein Viertel der weiblichen Krebserkrankungen gehen von der Brust aus. Jedes Jahr sterben in Deutschland 17 000 Frauen an den Folgen. Die Patientinnen sind dabei meist zwischen 45 und 75 Jahre alt.

Brustkrebs ist zudem tückisch: Selbst mehrere Jahre nach einer erfolgreichen Behandlung kann er wieder ausbrechen. Durch verbesserte Früherkennung und Therapie endet die Erkrankung in den USA und auch in Deutschland immer seltener tödlich.

Welche Rolle spielen die Gene?

Die Veranlagung spielt bei Brustkrebs in etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle eine Rolle. Hier ist eine Veränderung der sogenannten Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2 die Ursache. Hat eine Frau ein solches verändertes Gen, liegt ihr Risiko zu erkranken bei bis zu 90 Prozent. An spezialisierten Brustzentren wie der Frauenklinik Großhadern oder Maistraße können sich Frauen, in deren Familien Brustkrebs häufig ist, beraten lassen.

Bei den meisten Brustkrebsfällen kann auch die Medizin nicht sagen, was ihre Ursache ist. Zwar kennt man Risikofaktoren, doch weiß man noch nicht, wie stark ihr Einfluss ist. Bekannt ist, dass die weiblichen Geschlechtshormone das Risiko zu erkranken erhöhen können. Offenbar bekommen Frauen öfter Brustkrebs, die länger Geschlechtshormone im Blut haben. Dies ist nicht nur der Fall, wenn die Monatsblutung früh einsetzt, spät aufhört oder eine Hormontherapie durchgeführt wird. Auch Übergewicht kann das Risiko steigern, da Fettzellen ebenfalls Hormone produzieren. Auch Frauen, die keine Kinder haben, sind stärker gefährdet.

Wie kann man vorbeugen?

Durch eine gesunde Lebensweise kann jeder Brustkrebs vorbeugen. So sollte man sich kalorienarm ernähren, wenig Alkohol trinken, und Sport treiben. Bei Frauen, die ein stark erhöhtes Brustkrebs-Risiko haben, können antihormonelle Therapien dieses verringern. Zu empfehlen ist eine solche Behandlung, wenn bereits Vorstufen von Krebs aufgetreten sind oder in der Familie Brustkrebs häufig ist.

Welche Vorsorge ist wichtig?

Früh erkannt, ist Brustkrebs in vielen Fällen heilbar. Jede Frau sollte deshalb ab dem 30. Lebensjahr die Brust und die Lymphknoten beim Frauenarzt abtasten lassen. Zusätzlich sollten Frauen ihre Brust etwa einmal im Monat selbst untersuchen. Vor den Wechseljahren sind die ersten Tage der Regelblutung günstig, da die Brust dann besonders weich ist. Frauen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr sollten zur Vorsorge alle zwei Jahre eine sogenannte Screening-Mammographie vornehmen lassen. Entdeckt der Arzt bei der Mammographie oder beim Ultraschall etwas Auffälliges, kann unter örtlicher Betäubung eine Gewebeprobe entnommen werden. Sie wird dann auf Krebszellen untersucht.

Muss die kranke Brust entfernt werden?

Moderne Verfahren wie die Mammographie, Ultraschall und die Magnetresonanztomographie machen es heute möglich, auch kleine Tumore zu entdecken. Immer öfter kann die Brust bei der Operation daher erhalten werden. Zwei Drittel der Patientinnen verlieren ihre Brust nicht. An erster Stelle muss jedoch immer stehen, den Tumor komplett zu entfernen. Ist dieser sehr groß oder finden sich mehrere Krebsherde in der Brust, muss der gesamte Brustdrüsenkörper entnommen werden.

Die plastische Chirurgie kann heute Frauen, die ihre Brust verloren haben, helfen und jene kosmetisch zufriedenstellend wiederherstellen. Wenn die Brüste nach der OP verscheiden groß sind, kann man sie angleichen. Muss die ganze Brustdrüse entfernt werden, hat man, um die Brust wieder aufzubauen, die Wahl zwischen Gewebe aus Implantaten und dem eigenen Körper. Das letztere ist das bessere Verfahren. Der Eingriff kann bei der ersten OP, aber auch später geschehen.

Müssen Lymphknoten entfernt werden?

Bei der Operation sollten zusätzlich die Lymphknoten entfernt werden, in die die Lymphe vom Tumor abfließt, (Wächterlymphknoten). Der Arzt markiert diesen dazu mit einem radioaktiven Stoff oder einem Farbstoff. Hat der Tumor nicht in diesen Lymphknoten gestreut, ist die OP beendet. Indem man die Wächterlymphknoten entfernt, können heute etwa 70 Prozent der Patientinnen vor Spätfolgen nach einer Achselhöhlen-OP, wie zum Beispiel einem Lymphödem des Armes, bewahrt werden. Sind in dem entfernten Lymphknoten jedoch Krebszellen nachweisbar, müssen weitere Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt werden.

Wann muss man bestrahlen?

Die Strahlentherapie trägt entscheidend dazu bei, dass der Krebs an seinem Entstehungsort oder in den Lymphknoten nicht nachwächst. Daher sollte nach jeder OP, bei der die Brust erhalten bleibt, bestahlt werden. Wurde die Brust vollständig entfernt, kann eine Bestrahlung nötig sein, wenn der Tumor sehr groß war oder Lymphknoten befallen sind. Die Behandlung dauert etwa fünf Wochen.

Chemotherapie vor oder nach der OP?

Um zu entscheiden, ob eine Hormon- oder Chemotherapie nötig ist, muss der Arzt abschätzen, wie sich die Krankheit weiter entwickeln wird. Entscheidend ist, wie groß der Tumor ist und ob er sich bereits in den nahen Lymphknoten oder anderen Organen ausgebreitet hat. Zudem gibt es unterschiedlich aggressive Krebsarten. Auch die Oberfläche des Tumors ist verschieden.

Eine Chemotherapie kann sowohl vor der OP als auch im Anschluss daran erfolgen. Besonders bei größeren Tumoren kann sie das Geschwür vor dem Eingriff verkleinern. Der Arzt muss dann die Brust eventuell nicht amputieren. Er sieht zudem bei der OP, wie stark der Tumor geschrumpft ist und kann so beurteilen, wie gut die Patientin auf die Chemotherapie anspricht. Ob vor oder nach der Operation behandelt wird, beeinflusst jedoch nicht die Wirksamkeit der Behandlung.

Was tun gegen Nebenwirkungen?

Gegen Brustkrebs gibt es heute viele verschiedene Chemotherapien. Die Medikamente unterscheiden sich nicht nur in ihrer Wirkung, sondern auch in den Nebenwirkungen. So sollte bei einer Therapie mit Anthrazyklinen die Herzfunktion überwacht werden, bei Taxanen kommt es indes eher zu Gefühlsstörungen an Händen und Füßen. Bei den meisten Chemotherapien fallen den Patientinnen zudem die Haare aus. Sie wachsen nach Ende der Behandlung wieder nach. Die Therapie führt auch dazu, dass sich im Knochenmark kaum noch Blutzellen bilden. Die Patientin blutet leichter, ist anfällig für Infekte. Das Blutbild sollte daher regelmäßig kontrolliert werden. Eine weitere häufige Nebenwirkung ist Übelkeit. Gegen sie helfen Cortison und Serotoninhemmstoffe.

Welche neuen Therapien gibt es?

Oft wird der Krebs von Östrogenen, einem Geschlechtshormon, im Wachstum beeinflusst. Unterdrückt man die Hormonproduktion, kann man damit das Fortschreiten eines solchen Krebses hemmen. Je nachdem ob die Patientin bereits in den Wechseljahren ist erhält sie Tamoxifen, Aromatasehemmer und GnRH-Analoga. Nebenwirkungen können Wechseljahrsbeschwerden sein.

Die aktuelle Forschung beschäftigt sich mit der Entwicklung neuer Medikamente, die die Tumorzellen gezielt angreifen und ihr Wachstum hemmen. Viele solcher Medikamente sind derzeit in der Prüfung oder Entwicklung.

Wie wichtig ist die Nachsorge?

Ist die Therapie abgeschlossen, sollte die Patientin regelmäßig zur Kontrolluntersuchung gehen. Neue Tumore und Nebenwirkungen der Therapie können so früh erkannt werden. Die Frauen sollten beobachten, ob sich etwas an der Operationsstelle, in den Achseln oder der anderen Brust verändert. Auch Schmerzen in den Knochen, Atemnot, Husten, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit können Anzeichen sein, dass der Krebs wieder ausgebrochen ist. Hilfreich ist auch ein Austausch in einer Selbsthilfegruppe wie "Brustkrebs München".

Therapien in Kürze

Operation: An erster Stelle der Therapie steht die komplette Entfernung des Tumors. In vielen Fällen kann dabei die Brust erhalten bleiben.

Bestrahlungstherapie: Nach der OP kann eine Bestrahlung das Risiko, dass der Krebs nachwächst, deutlich verringern.

Chemotherapie: Eine Chemotherapie kann sowohl vor der OP als auch im Anschluss daran erfolgen. Besonders bei größeren Tumoren kann sie das Geschwür vor dem Eingriff verkleinern.

Antihormonelle Therapie: Manche Tumore werden von Hormonen im Wachstum beeinflusst. Medikamente können die Hormonproduktion unterdrücken und das Tumor-Wachstum hemmen.

Therapie mit Antikörpern: Bei bestimmten Krebsarten können neue Medikamente die Krebszellen sehr gezielt angreifen.

> Leserfragen an Prof. Dr. Klaus Friese

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