"Blauäugig" beim Copyright

Buch mit Facebook-Fotos löst Shitstorm aus

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Berlin - Ein Buch voller lustiger Fotos und Kommentare aus einer Facebook-Gruppe bringt seinen Herausgebern erheblichen Ärger ein. Die haben nämlich vergessen, die Urheber um Erlaubnis zu fragen. 

Auf 160 Seiten zeigt das Buch „Da kotzt das Texterherz“ unfreiwillig komische Schilder und Kommentare aus der gleichnamigen Facebook-Gruppe. „Weine nicht, wenn der Winter kommt, Dämm Dämm“, heißt es etwa auf einem Werbeplakat.

Das Problem ist jetzt nicht, ob so ein Buch mit Internet-typischem Spaß-Inhalt Aussichten auf Erfolg hat, sondern ein anderes: Die Herausgeber des Buches haben die Urheber nicht gefragt, ob sie deren Fotos und Sprüche abdrucken und als Buch verkaufen dürfen. Zudem die meisten Beiträge in der geschlossenen Facebook-Gruppe, die aus knapp 25.000 Mitgliedern besteht, selbst nur Netz-Fundstücke sind.

Die Mitglieder kritisieren die Administratoren und Buch-Herausgeber heftig, berichtet „Spiegel Online“. Auch Amazon bietet das Buch zum Kauf an. Dort haben sich nicht wenige der ungefragt Beteiligten in den Rezensionen bereits Luft gemacht und kündigen zum Teil rechtliche Schritte an, falls ihre Beiträge verwendet würden. 

Nicht der erste Copyright-Skandal beim Riva-Verlag

Der Münchner Riva-Verlag hätte es eigentlich besser wissen müssen: Er muss sich nicht zum ersten Mal den Vorwurf der Urheberrechts-Verletzung gefallen lassen. 2012 musste deshalb sogar die Auslieferung eines Buches gestoppt werden. "Nachts um 3 Uhr klingelte der Nachbar..." ist eine Sammlung lustiger Sprüche - doch anstatt sie sich selber auszudenken, hatte sich der Autor Rolf Hohenhaus in vielen Fällen bei schmunzelswerten Twitter-Einträgen bedient, ohne die User zu fragen, die sie ins Netz gestellt hatten. Dabei hatte er laut Buchmarkt.de dem Verlag "vertraglich zugesichert, dass die Inhalte keine Urheber- oder Persönlichkeitsrechte Dritter verletzten." Auf Amazon fragt daher ein User: "Wie lang dauert es eigentlich, bis bei euch ein gewisser Lernprozess einsetzt?" 

Die Sprecherin des Verlags hatte sich damals im Tagesspiegelverteidigt, durch die "Dynamik der sozialen Netzwerke" sei es "häufig schwierig, die Urheber von verbreiteten Sprüchen herauszufinden". 

Wird das Buch jetzt eingestampft?

Die Herausgeber und der Verlag müssen nun um ihr Buch bangen. Denn bei einer Urheberrechtsverletzung können die Betroffenen eine Unterlassung fordern. Schon ein Urheber, der sein Bild zu Unrecht verwendet sieht, könnte den Verkauf des Buches stoppen, sagte der Fachanwalt Lars Rieck der dpa, und kommentiert: „Das war schon sehr blauäugig“. Das Buch sei eindeutig eine kommerzielle Verwendung. Dafür hätten sich die Herausgeber eine schriftliche Erlaubnis einholen müssen.

Herausgeber entschuldigt sich

„Wir haben einen großen Fehler gemacht“, schrieb einer der Herausgeber, Peter Berberich, den Gruppenmitgliedern kleinlaut. Er bietet den Nutzern an, auf jegliches Honorar verzichten und dies einem "gemeinnützigen Zweck spenden, den wir hier in der Gruppe festlegen. Außerdem werde ich jeden Einzelnen persönlich anschreiben, dessen Foto wir im Buch verwendet haben." Außerdem erhalte jeder Mitautor zehn Belegexemplare und eine namentliche Nennung im Buch, falls er oder sie dies wünsche. Doch darauf werden wohl viele der User, die sich hinters Licht geführt fühlen, verzichten.

dpa/hn

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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