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Macht das Internet dumm?

Blöd und dumm 3.0

Buchautor warnt: Internet kann Demokratie und Bildung zerstören

Das Internet ist die Gesellschaft, ein Sieg der Information und ein Hort der Freiheit. Diese Thesen haben 15 bekannte deutsche Blogger und Web-Pioniere vergangenen September in einem Internet-Manifest verbreitet. Eine Fehleinschätzung, findet Autor Markus Reiter.

In seinem Buch „Dumm 3.0“ warnt er vor den Gefahren des Internets. „Das Internet verkürzt, vereinfacht und schafft eine neue Realität“, schreibt Reiter im Kapitel „Das Internet - ein riesiger Misthaufen“. Menschen falle es schwer, Informationen zu bewerten. Wer im Internet surfe, müsse aber auswählen. Ein Problem, denn die meisten Menschen könnten zwar Wissen anhäufen, aber nicht selektieren.

„Das Internet - ein riesiger Misthaufen“

Reiter glaubt daher, dass Inhalte an Bedeutung gewinnen, die am häufigsten verlinkt werden, also auch Fehlinformation oder falsche Zitate. Kommentieren, twittern, Videos einstellen – jeder kann sich im Netz einbringen und mitmachen. Doch laut Reiter werde Demokratie im Netz nicht gelebt, sondern er sieht sie schwinden.

 „Die Internet-Anonymität ist eine gefährliche Grundlage“, sagte er gegenüber der HNA. Ein Nährboden für aggressive und ausartende Kommentare, brutale und fremdenfeindliche Plattformen. Außerdem enge das Blickfeld im Netz ein. „Menschen beschränken sich darauf, mit Gleichgesinnten zu kommunizieren, die ähnliche Ansichten teilen.“ Kritische Auseinandersetzungen würden seltener.

 Ein Beispiel sind für ihn Artikel-Empfehlungen von Facebook-Freunden. In Amerika löst das soziale Netzwerk allmählich Google als Nachrichten-Aggregator ab. „Dadurch verliert man den Überblick, missachtet andere Meinungen und liest vor allem das, was dem eigenen Standpunkt entspricht.“

„Das Netz ist immer so dumm wie seine Nutzer“, urteilt hingegen Jeff Jarvis in einem Interview mit der „Welt“. Dies ruiniere das Internet zwar nicht, sagte der US-Blogger, aber es sei eine Herausforderung, intelligente Inhalte zu finden. Markus Reiter hat damit kein Problem. Das Netz ist für ihn eine großartige Erfindung, die er nicht missen möchte.

Viele „Digital Natives“, mit dem Internet aufgewachsene Jugendliche, könnten aber wichtige von unwichtigen Inhalte nicht trennen und deren Glaubwürdigkeit überprüfen. Echtes Wissen müsste von der Illusion, etwas zu wissen, getrennt werden, findet Reiter. Keine Suchmaschine könnte dies übernehmen – sondern nur ausgebildete Experten. Die sieht Reiter vor allem bei den klassischen Medien.

Von Stefan Moriße

Zur Person: Journalist und Schreibtrainer

Markus Reiter ist freiberuflicher Schreibtrainer und unterstützt Zeitschriften und Zeitungen als Medienberater. Sein Studium der Politik, VWL und Geschichte schloss er mit einem Diplom ab. Nach einem Tageszeitungs-Volontariat arbeitete er als stellvertretender Chefredakteur von Reader’s Digest. Zwei Jahre schrieb er darüber hinaus als Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Reiter hat neben „Dumm 3.0“ bereits mehrere Bücher über Sprache und Medien verfasst, darunter „Klardeutsch – Neuro-Rhetorik für Manager“ und „Die Phrasendrescher: Wie unsere Eliten sprachlich verblöden.“ (mor)

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