Der Chassidismus - ein mystisches Lebensgefühl

- In dem spartanischen Dachzimmer im Historicum der Münchner Uni an der Schellingstraße lenkt die Professorin Ada Rapoport-Albert nichts von ihrer Arbeit ab.

Das Dachfenster ist weit geöffnet, um den Zigarettenrauch abziehen zu lassen. Gegen die Kälte ist Ada Rapoport-Albert dick verhüllt in schwarz und grau gehaltener Kleidung. Die Augen sind stark schwarz geschminkt.<BR><BR>Die Historikerin beschäftigt sich mit dem Chassidismus, einer mystischen, pietistischen Ausprägung des jüdischen Glaubens, die Mitte des 18. Jahrhunderts ihren Anfang fand. <BR><BR>Die Bewegung breitete sich während des 19. Jahrhunderts schnell in ganz Osteuropa aus. Die Anhänger des Chassidismus organisierten sich in vielen Gruppen, jede mit ihrem eigenen spirituellen Anführer, der als Mittelsmann zwischen Gott und den Menschen fungierte. Dies war eine alternative Führungsstruktur zum traditionellen Konzept der Rabbiner.<BR><BR>Ada Rapoport-Albert, die für ein Semester zu Gast an der Universität ist, ist diesem Lebensgefühl der gestrengen Glaubensanhänger nachgegangen. <BR><BR>Im Wintersemester bietet sie für Studierende der jüdischen Geschichte eine Vorlesung und eine Übung zum Thema "Jewish Mysticism" in englischer Sprache an. <BR>Die in Israel geborene Historikerin verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Großbritannien, wo sie am University College in London ein Zentrum für hebräische und jüdische Studien leitet. <BR><BR>Nach München ist sie für ein Semester gekommen - der Allianz-Konzern finanziert an der LMU eine Gastprofessur für islamische und jüdische Studien. Diese Professur ist eine Antwort auf die Anschläge des 11. September: Die Kenntnisse junger Menschen über den islamischen und den jüdischen Kulturkreis sollen verbessert werden.<BR><BR>Die November-Kälte, die pausenlos durch das halb offene Fenster in Rapoport-Alberts Zimmer einströmt, scheint die Historikern zu beflügeln.<BR><BR>Mit ausladenden Handbewegungen unterstreicht sie ihre Überzeugung, dass Religionen in Zukunft, in der Postmoderne, wieder eine gewichtigere Bedeutung erlangen werden, genauso wie der Chassidismus gerade weltweit eine Renaissance erlebt. "Die Leute suchen nach Alternativen in ihrer von Rationalität bestimmten Welt." <BR>

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