Chatroom-Ausflug gegen die Angst

- München - "Ich fühle mich körperlich und seelisch müde", beschreibt eine Frau ihren Seelenzustand im Internet. Sie ist eine von 43 Patienten, die bei virtuellen Treffen den Weg zurück in den Alltag suchen. Eine Klinik im Allgäu startete mit der Techniker Krankenkasse vor eineinhalb Jahren ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem ehemalige Patienten via Internet ambulant betreut werden. Die Initiatoren stellten am Donnerstag in München ihr innovatives Projekt vor: Die Kranken können sich nach ihrer Entlassung in Chatrooms oder per E-Mail weiter mit Therapeuten und Mitpatienten austauschen.

<P>Eineinhalb Jahre nach Projektbeginn zeigten sich Betreuer und Geldgeber hoch erfreut über eine positive Zwischenbilanz: "Wir haben verhindern können, dass einige nochmal in die Klinik mussten", sagte Christian Dogs, Leiter der Panorama Klinik für Psychosomatik in Scheidegg. Zuhause gebe es oft niemand mehr, der den Kranken bei ihrer Genesung hilft. Bis ein passender Therapeut zur ambulanten Nachversorgung gefunden werden, könnten Monate ins Land ziehen. Hier setzt die "Internetbrücke" an.</P><P><BR>"Sie haben heute viel Angst. Brauchen Sie Hilfe?", lautet eine Frage, wie sie Therapeut Thomas Wangemann manchmal stellt, wenn sich die Patienten einmal wöchentlich im Chatroom zusammenfinden. Acht bis zehn Menschen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern nehmen unter der Obhut und Moderation eines Facharztes daran teil. In vier Gruppen schildern sie ihre Ängste bei der Alltagsbewältigung, helfen sich gegenseitig und sich selbst. Daheim ist ein Hausarzt über den anstrengenden Austausch informiert, um im Ernstfall Hilfe zu leisten.</P><P><BR>Im Chatroom geht es viel offener zu als bei Live-Sitzungen, schildert Wangemann: "Es ist nicht schwer, an einem Thema vorbei zu reden, aber schreiben sie mal daran vorbei!", gibt er zu Bedenken. Auch die Forschungsstelle für Psychotherapie in Stuttgart attestierte der "Internetbrücke" eine positive Auswirkung auf die Rückfallquote und die Finanzen der Klinik. Nachweislich konnte der stationäre Aufenthalt der Patienten durch die Internet-Betreuung um zwei Tage verkürzt werden. Ein Argument, das nach Angaben der Initiatoren sogar Fachkliniken aus Amerika für das Projekt interessiert hat. Dennoch sträuben sich bislang fast alle Krankenkassen dagegen. Außer der Techniker Krankenkasse will niemand die Kosten für die Chatrooms übernehmen. </P>

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