Nach tumultartigem Abgang

Neuer Chef bei Mozilla

San Francisco - Die Diskussion um zurückgetretenen Mozilla-Chef Eich und seine Einstellung zur Homo-Ehe hat dem Firefox-Entwickler geschadet. Ein neuer Mann soll die Gemüter beruhigen.

Nach dem tumultartigen Abgang von Mozilla-Chef Brendan Eich übernimmt der bisherige Marketingverantwortliche Chris Beard übergangsweise die Führung des Firefox-Entwicklers. „Chris ist länger bei Mozilla als die meisten anderen“, erklärte die Vorsitzende des Verwaltungsrats, Mitchell Baker, am Montag in einem Blogeintrag. „Niemand ist in dieser Zeit des Umbruchs besser dazu geeignet, unsere Geschicke zu lenken.“ Beard zieht auch in den Verwaltungsrat ein.

Die Berufung von Eich hatte Proteste ausgelöst. Stein des Anstoßes war seine Einstellung zur Homo-Ehe: Er hatte 2008 einen Gesetzentwurf gegen gleichgeschlechtliche Ehen in Kalifornien mit 1000 Dollar unterstützt. Zudem wurde bekannt, dass er in den 90er Jahren an rechtskonservative Politiker wie Pat Buchanan und Ron Paul gespendet hatte.

Eich wollte zunächst nicht zurücktreten

Eich wehrte sich zunächst gegen Rücktrittsforderungen, warf dann aber nach nicht einmal zwei Wochen im Amt Anfang April das Handtuch. Er gehörte zu den Mitgründern von Mozilla. Nach seinem Rückzug gab es auch Kritik, das sei ein Schlag gegen die Redefreiheit.

Mozilla steckt hinter dem Firefox-Webbrowser und hat zudem das Betriebssystem Firefox OS für günstige Smartphones entwickelt. Die Debatte um Eich hatte das Projekt Sympathien gekostet. „Mozilla muss schnell und entschlossen handeln“, schrieb Baker, die die starke Frau im Hintergrund ist. Es müsse ein langfristiger Plan für den Chefposten geschmiedet werden. Zudem müssten neue Mitglieder für den Verwaltungsrat gewonnen werden.

Die Debatte um die Berufung von Eich hatte nach Informationen des „Wall Street Journal“ schon im Vorfeld mehrere Mitglieder des Gremiums zum Rücktritt bewogen. Der Verwaltungsrat besteht aktuell neben Mozilla-Mitgründerin Baker und dem neuen Übergangschef Beard aus „Spiegel Online“-Geschäftsführerin Katharina Borchert sowie dem Mitgründer des Karriere-Netzwerks LinkedIn, Reid Hoffman.

Das kommerzielle Unternehmen Mozilla, das die Programme entwickelt, gehört der gemeinnützigen Mozilla-Stiftung. Baker leitet bei beiden den Verwaltungsrat.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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