Der Clownfisch - Vom Männchen zum Weibchen

- Hamburg - Seine hübschen Streifen brachten den Clownfisch vom Ozean in die Wohnzimmer-Aquarien. Und nun wurde er auch noch unfreiwillig zum Kinohelden namens Nemo. "Als ich mit der Story anfing, wusste ich nur, dass die Hauptfiguren Clownfische sein werden - weil sie sehr ansprechend aussehen", sagt Andrew Stanton, amerikanischer Regisseur des Trickfilms "Findet Nemo". Das orange- schwarz-weiße Muster hat dem Tier auch den Namen Harlekinfisch eingebracht.

<P>Der Clownfisch selbst "kuschelt" sich von Natur aus gerne in Seeanemonen hinein, wo es sonst kaum ein Fisch aushält. Seine Schleimschicht schützt ihn vor den Nesselzellen der Anemonen- Tentakel. Überhaupt hat er ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Behausung: Sie bietet ihm Schutz vor Feinden, er schläft hier und entnimmt der Anemone schon einmal Nahrungs-Stückchen aus ihrer Mundscheibe. Als Gegenleistung vertreibt er Feinde der Seeanemonen - nicht ganz selbstlos, denn damit verteidigt er schließlich auch sein Heim.</P><P>Das Sexualleben der Clownfische ist ungewöhnlich. Geboren werden die Tiere immer als Männchen, sie können im hohen Alter aber zum Weibchen werden. So ist der ältestes Fisch einer Schar stets ein Weibchen, der zweitälteste das begattende Männchen. Stirbt nun das Weibchen, wandelt sich das älteste Männchen in ein Weibchen um und der nächstälteste Junggeselle wächst zum geschlechtsreifen Männchen heran.</P><P>Der Vater kümmert sich zunächst fürsorglich um seinen Nachwuchs. Er säubert die Eier, die meist am Fuß der Seeanemone liegen, und stupst neugierige Artgenossen weg. Als Larven dann strömen die Tiere raus ins Meer und müssen später eigene Seeanemonen finden, die ihnen Schutz und Nahrung bieten. Doch oft sind alle guten Plätze besetzt - sie beherbergen ein dominantes Brutpaar mit umgebenden Junggesellen. Am ehesten werden die jungen Clownfische von der fremden Fischschar toleriert, wenn sie möglichst klein sind - kleiner noch als der Rangunterste. Stirbt das ranghöchste Tier, so können alle anderen ein Stück wachsen - in Körpergröße und letztlich auch im sozialen Ansehen.</P><P>Der bis zu rund zehn Zentimeter große Clownfisch lebt in Korallenriffen nordöstlich von Australien und inzwischen auch in vielen Aquarien weltweit. Keinesfalls jedoch sollten Fischliebhaber nach dem Film ihre Tiere in einer Befreiungsaktion ins Klo schütten. "Wer seinen Zierfisch die Toilette herunterspült, schenkt ihm nicht die Freiheit, sondern schickt ihn in den sicheren Tod", warnt WWF- Artenschutzexperte Roland Melisch mit Blick auf Kinder in den USA, die den Film gesehen hatten. In der Kanalisation gibt es giftige Stoffe, niedrige Temperaturen und hungrige Ratten. Spätestens in der Kläranlage ist endgültig Schluss. Auch ein Freilassen in Flüsse oder Nord- und Ostsee hilft den wärmeliebenden Clownfischen nichts.</P><P>Der WWF befürchtet auch, dass die Nachfrage nach Clownfischen wegen des Films steigt. In amerikanischen Zoohandlungen sei es bereits zu einem Boom gekommen. Melisch: "Der Handel mit Meerwasserfischen ist problematisch. Sie stammen meistens aus der Wildnis, manche Arten werden sogar als bedroht eingestuft." Vertretbar sei allenfalls der Kauf von Meerwasserfischen, deren Herkunft nach den Kriterien des Marine Aquarium Council (MAC) zertifiziert sei. Süßwasserfische dagegen stammen häufig aus Zuchten, Süßwasseraquarien seien daher weniger bedenklich.</P><P>Nach Angaben des UN-Umweltprogramms (UNEP) vom September werden pro Jahr mehr als 20 Millionen tropische Fische für Aquarien gefangen - allein für den Bedarf in Europa und den USA. UNEP-Chef Klaus Töpfer ist dem Aquarienhandel nicht abgeneigt: "Tropische Fische zu sammeln, erfreut nicht nur Millionen Menschen, sondern erhält auch einen wichtigen und weitgehend legalen Wirtschaftszweig." Der globale Handel mit Meerstieren sei einerseits ein deutliches Risiko für Ökosysteme wie etwa Korallenriffe, andererseits biete er dringend benötigte Einnahmen für lokale Fischer. Der Zierfischhandel könne daher beim Kampf gegen die Armut in den Entwicklungsländern helfen, sagte der UNEP-Direktor. </P>

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