Ein Computer, der am Ball bleibt

- Auf der einen Leinwand spielt Argentinien live gegen Serbien-Montenegro. Auf der anderen fallen die gleichen Pässe - das Stadion aber ist virtuell.

Schöpfer des Spiels auf dem Computer- Rasen ist "Caesar". Ein Team von Informatikern und Sportwissenschaftlern der TU München hat das neue System entwickelt. Es soll Trainern und Sportjournalisten die Analyse von Fußballspielen erleichtern.

System durchblickt die Taktik der Spieler

Seit einem Jahr hat Professor Michael Beetz vom Institut für Informatik mit vier Mitarbeitern an dem Programm getüftelt. Bislang haben die Forscher Caesar mit Daten getestet, die bei den jüngsten Roboter-Weltmeisterschaften gesammelt wurden. Jetzt ist das System in der Lage, über Fernsehbilder echte Spiele auszuwerten. Es digitalisiert die Kameradaten und überträgt das Fernsehbild beinahe in Echtzeit in das virtuelle Koordinatensystem eines Fußballfeldes.

Die Spielszenen können als dreidimensionale Animation oder aus der Vogelperspektive wiedergegeben werden. Die Abhängigkeit von Fernsehkameras bringt jedoch Probleme. Sie erschweren eine genaue Positionsbestimmung der Spieler und des Balles. Denn über den Bildschirm flimmert immer nur ein Ausschnitt des Platzes. "Wir bräuchten eigene Kameras, die wir gezielt ausrichten können", erklärt Michael Beetz.

Dennoch ist Caesar zu erstaunlichen Analysen fähig. So kann er exakte Spielerprofile erstellen: Wo hat sich ein Spieler während der 90 Minuten aufgehalten? Wie viele Pässe hat er gespielt? Wie oft hat er unter Druck erfolgreiche Aktionen zustande gebracht? Auch die Erfolgs- Wahrscheinlichkeiten der einzelnen Aktionen errechnet das Programm. Aus den Daten soll es zudem die Absicht hinter einer Aktion erkennen -die Taktik des Spielzugs wird erkennbar.

Auch Interessenten für das neue System gibt es bereits. Die Entwickler haben Caesar einem Gremium des Deutschen- Fußball-Bundes vorgestellt. Das Köpfchen von Caesar ist indessen nicht nur beim Fußball gefragt. Systeme, die menschliche Handlungen erkennen und verstehen, könnten auch anderswo nützen, sind die Forscher überzeugt. In einem Arbeitszimmer am Lehrstuhl für Bildverstehen und wissensbasierte Systeme haben sie eine Küchenzeile aufgebaut. Türen, Schubladen und sogar Besteck und Gläser sind mit Transpondern ausgestattet. Ein Computersystem soll anhand der benutzten Gegenstände erkennen können, welche Handlung gerade ausgeführt wird, ob Kochen, Essen oder Abwaschen. Älteren Menschen könnte das System künftig im Alltag helfen. "Es könnte sie an bestimmte Tätigkeiten erinnern", glaubt Michael Beetz. Zum Beispiel daran, regelmäßig zu trinken oder nach dem Kochen die Herdplatte auszuschalten.

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