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Schöpferische Höchstleistung: Der Erfinder des ersten Computers der Welt, Konrad Zuse, mit seinem Nachbau der Z 1 im Berliner Museum für Verkehr und Technik.

Computer-Erfinder Konrad Zuse wäre diesen Sommer 100 Jahre alt geworden

"Ich war zu faul zum Rechnen"

Kein Handy, kein Taschenrechner, keine Spielekonsole und erst recht kein Laptop: Auf all das und vieles mehr müssten wir heute verzichten, wenn Konrad Ernst Otto Zuse nie gelebt hätte.

Der deutsche Bauingenieur, der als Vater des modernen Computers gilt, wäre am 22. Juni 100 Jahre alt geworden.

Das Pionier-Dasein Zuses begann 1936: Der gebürtige Berliner hatte gerade sein Ingenieurstudium abgeschlossen und arbeitete als Statiker bei den Henschel-Flugzeugwerken in Schönefeld. An der Uni wurde er ständig mit stumpfsinnigen Rechenarbeiten konfrontiert. Generationen von PC-Zockern verdanken ihr Hobby Zuses Bequemlichkeit: "Ich war zu faul zum Rechnen", räumt er ein.

Das motivierte ihn, die Z1, die erste programmierbare Rechenmaschine, zu bauen.

Revolution für die Technik

Die Z1, die Zuse im Jahr 1938 vollendete, war eine technische Revolution. Denn es handelte sich um den ersten mechanischen Rechner, der elektrisch angetrieben wurde. Allerdings musste der Erfinder sein Werk fleißig bei der Arbeit unterstützen, indem er Schalter einstellte und Drehwähler bediente.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Z1 zerstört. Zuse wurde zwar zweimal einberufen, zog aber nie in den Krieg. Sein Chef bei den Flugzeugwerken, in denen ferngesteuerte Bomben produziert wurden, ließ den jungen Erfinder als unabkömmliche Kraft bezeichnen. Dadurch hatte er die Zeit, ungestört zu tüfteln.

Die wohl größte Innovation lieferte Zuse 1941 mit dem ersten Computer der Welt. Z3 nannte er die Maschine, ohne die es heute vermutlich kein einziges Tastatur-Talent gäbe. Die Mama aller Notebooks und Taschenrechner war ein voll funktionsfähiger Computer, der sich programmieren ließ.

1945 heiratete der Tüftler seine Verlobte Gisela in Berlin. Gemeinsam hatten sie fünf Kinder. Horst, der älteste Sohn, ist Informatik-Professor und erinnert sich gut an seinen berühmten Papa: "Er war eher in sich gekehrt. Als Vater war er in Ordnung - auch wenn es manchmal Streit gab."

Trotz seiner zurückhaltenden Art eckte Zuse an. "Er besaß einen schwarzen Humor, der nicht immer gut ankam", sagt der Sohn.

Geschäftstüchtiger Vater

Die Familie floh kurz vor Kriegsende ins Allgäu, wo Zuse 1946 ein Ingenieurbüro eröffnete. 1949 zogen Zuses in den Kreis Hünfeld. Geschäftstüchtig blieb der Familienvater auch hier: In Neukirchen gründete er die Zuse KG. In der Firma entstanden insgesamt 251 Computer.

1957 zog der Betrieb nach Bad Hersfeld um. Die Firma stand 1963 vor dem Ruin, weil Banken dem unbekannten Gewerbe nur Kredite zu horrenden Zinsen geben wollten. Dadurch lieferte die Zuse KG den Z25 nur verzögert aus. Zuse stieg 1964 als aktiver Teilhaber aus. Siemens übernahm die Zuse KG 1967.

Am 18. Dezember 1995 starb Konrad Zuse in Hünfeld. Seine Frau lebt noch immer dort.

Von Dorothea Backovic

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