Computer und Kamera: Ein Wachmann, der nie schläft

- München - Wachstumsbereiche wie die Sicherheitselektronik sind in der einstmals auf breiter Front erfolgsverwöhnten Informations- und Kommunikationstechnik kein Regelfall mehr. Deshalb steht dieses Segment zur Münchner Branchenschau Systems auch besonders im Mittelpunkt.

Während die gesamte ITKBranche derzeit mit eineinhalb bis zweieinhalb Prozent wächst, werden den Umsätzen mit Detektoren, elektronischen Schließanlagen oder Überwachungskameras bis 2010 zweistellige Zuwachsraten vorausgesagt.

Allein in Deutschland dürften bis dahin die Erlöse damit um 44 Prozent auf knapp 2,7 Milliarden Euro klettern, sagte der Vizepräsident des heimischen Branchenverbands Bitkom, Jörg Harms, unter Berufung auf eine aktuelle Studie. Weltweit sagen Branchenexperten dem Segment ein 57-prozentiges Plus auf 41,5 Milliarden Euro voraus.

Seit den Terroranschlägen 2001 in den USA bis hin zu den diesen Sommer in Deutschland noch rechtzeitig gefundenen Kofferbomben in Zügen erlebt die Technologie einen Boom. Getrieben wird die Entwicklung von Videoüberwachung sowie Biometrie, wie sie in Form von Gesichtsmerkmalen oder Fingerabdrücken in modernen Pässen ihre Anwendung findet. Im Teilbereich Biometrie ist Deutschland im internationalen Vergleich mit führend, betont Harms.

Bei der Videoüberwachung sieht sein Verband Nachholbedarf, vor allem hinsichtlich öffentlicher Nachfrage. Hier investierte der britische Staat im Vergleich zu Deutschland ein Dreifaches und erkaufe sich so mehr Sicherheit. Was Überwachungskameras einfangen, sichtet heute in vielen Fällen ein Computer, klärt Michael Reichenstein, Sicherheitsexperte der Elektronikfirma NEC Deutschland, auf. Computer könnten mittlerweile eigenständig verdächtige Gegenstände oder auffällige Verhaltensmuster von Personen aufspüren und das Wachpersonal davon in Kenntnis setzen.

Wichtig sei das schon deswegen, weil "Kollege Computer" immer aufpasst. Sicherheitsbeamte können gerade zwei Prozent des Geschehens auf Flughäfen oder Zugbahnhöfen erfassen. Computer alarmieren Wachpersonal beispielsweise, wenn ein Koffer länger als zehn Minuten an einem Ort steht oder Personen sich auffällig lang in sicherheitsrelevanten Bereichen aufhalten. Die Deutsche Bahn testet die neue Technik bereits. Am Mainzer Bahnhof läuft seit vier Wochen ein Pilotprojekt zur automatischen Gesichtserkennung von 200 Testpersonen per Kamera und Computer, sagt der Sicherheitschef der Deutschen Bahn, Jens Puls.

Er würde das System am liebsten nicht nur auf Bahnhöfen, sondern auch bei Tunnels oder Brücken einsetzen. Beim Thema Datenschutz werden er und andere Experten allerdings wortkarg. "Das Polizeigesetz wird in Deutschland zu ändern sein", stellt Harms mit Blick auf die neuen Überwachungsmöglichkeiten klar und ist auf Widerspruch gefasst.

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