Computerausfall bei Lufthansa

- Frankfurt/Main - Endlose Schlangen, verärgerte Passagiere und zahlreiche verspätete und gestrichene Flüge: Der weltweite Ausfall der Check-in-Computer bei der Lufthansa hat am Donnerstag am größten deutschen Flughafen in Frankfurt zu chaotischen Szenen geführt.

Während im Computerzentrum der Lufthansa Techniker verzweifelt an der Behebung des Fehlers arbeiten, versuchen Mitarbeiter in den Wartehallen tausende Passagiere mit Snacks bei Laune zu halten. Terminal 1, 11.28 Uhr: Auf den Bildschirmen flimmert in großen Buchstaben "EDV-Ausfall!!" Auch die Geräte für den Schnell-Check-in der Lufthansa sind ausgefallen. <P>"Das Gerät ist im Moment für einen Check-in nicht betriebsbereit", heißt es lapidar. Jetzt müssen die Mitarbeiter an den Schaltern handschriftlich anhand von Listen die Boarding-Karten ausstellen - und das dauert seine Zeit. So wird der Computerausfall für die Fluggäste zur Geduldsprobe. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", schimpft Diplom-Ingenieur Rüdiger Nebel (35), der auf seinen Flug nach Portugal wartet.</P><P>"Hier gibt es immer lange Schlangen", meint dagegen Anton Reichartseder aus Salzburg. Der 62-Jährige war aus San Franzisco gekommen und wollte um 12.40 Uhr nach Salzburg weiterfliegen. Doch dann wurde er auf eine Maschine um 17.35 Uhr umgebucht. Einen Entschädigungs-Gutschein habe er bislang nicht bekommen, klagt der Business-Class-Kunde.</P><P>Plötzlich tauchen zwei Mitarbeiter mit Paletten voller Sandwiches auf. "Die werden von der Lufthansa gesponsert", sagt Birgit Richter von der Lagerleitung der Lufthansa-Cateringtochter. Die sonst nur in der Nacht arbeitende Schicht im Werk Kelsterbach war am Morgen wieder in die Küchen zurückgerufen worden. 1500 belegte Brote sind bislang geschmiert, von einem Großhändler wurden tausende Kiwis und Bananen geliefert. Und aus dem Lager werden palettenweise Wasser, Cola und Apfelsaftschorle in die Wartehalle geschoben.</P><P>"Die Betreuung ist gut", sagt die 29 Jahre alte Dolmetscherin Elena Reshetnikova, die auf ihren Flug nach Katharinenburg wartet. "Wir hatten es schon im Radio gehört, aber nicht gedacht, dass es so arg wird", sagt sie in einer der langen Schlangen. "Ich lass mich mal überraschen", sagt Thomas Schmidt (41), der mit seiner Ehefrau in den Urlaub nach Málaga will. "Hauptsache, der Flug wird nicht abgesagt", versucht seine Frau Sabine (35) das Beste aus der Sache zu machen.</P><P>Ein Sicherheits-Mitarbeiter hilft den Passagieren, die richtigen Schalter zu finden. Er war kurzfristig für den neuen Job abgeordnet worden. "Es ist katastrophal. Aber die Sicherheit leidet nicht darunter", meint er. Keine Schlange gibt es an dem Lufthansa- Schalter, an dem Kinder ohne Begleitung betreut werden. Doch der Mitarbeiter gibt sich wortkarg. "Da kann ich ihnen nichts zu sagen", wehrt er Fragen ab.</P><P>"Wir rekrutieren Leute aus allen Bereichen", sagt Ralf Schlenker, bei der Lufthansa für die Personalplanung an den Schaltern zuständig. "Es läuft jetzt das gängige Notfallverfahren." Passagiere ohne Gepäck werden direkt zu den Gates gebracht. Manche können sich den Sitzplatz heute im Flugzeug selbst aussuchen. Andere erhalten am Schalter handschriftliche Zettel. Im Schnitt würden rund 55 000 Menschen jeden Tag abgefertigt, sagt Schlenker. Auf die Frage nach der Zahl der heute betroffenen Fluggäste blickt er auf seinen Computer, gibt dann aber schnell auf. "Normalerweise wüsste der das genau."</P>

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