Computerspiele-Branche ist in Umbruchphase

Leipzig - Die Computerspiele-Branche ist im Umbruch. "Wir wollen neue Zielgruppen erreichen", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), Olaf Wolters. Mehr Frauen und auch Ältere sollen für die virtuelle Spielewelt begeistert werden.

Das hat die Branche zwar schon in den vergangenen Jahren angekündigt, doch in diesem Jahr wird es offenbar ernst. Auf der Games Convention in Leipzig, Europas größter Messe für Computer- und Videospiele, zeigen viele Aussteller ganz neue Angebote, die die ganze Familie anlocken sollen.

Zum Beispiel hat der französische Software-Hersteller Ubisoft nach eigenen Angaben eine neue Entwicklungsabteilung mit 300 Leuten aufgebaut. Sie haben ebenso wie Nintendo ein neues Label entwickelt, mit dem alle Altersschichten vom Grundschulkind bis zu den Großeltern angesprochen werden sollen. "Wir wollen wirklich jeden erreichen", sagt Ubisoft-Entwicklerin Pauline Jacquey. Das soll über Tierspiele, aber auch über interaktive Quizspiele funktionieren. "Die Zeit der Ballerspiele ist vorbei", frohlockte Pop-Sternchen Yvonne Catterfeld, die auf der Messe einen PR-Termin absolvierte. "Es gibt jedenfalls endlich ein breiteres Angebot."

Die Branche entfernt sich offenbar vom Hardcore-Gamer, der sich stundenlang in ein Spiel vertiefen kann. "Wir wollen weg davon, dass die Spieler erstmals stundenlang ein Handbuch lesen müssen, ehe sie loslegen können", erklärt Jacquey. Angefangen hatte der Trend im vergangenen Jahr, als Nintendo seine neue Spielkonsole Wii mit einer völlig neuartigen Spielesteuerung auf den Markt brachte. Die Wii hat mittlerweile in den Verkaufszahlen die anderen Konsolen abgehängt und den Druck in der Branche zum Umdenken erhöht.

Der Branchenverband BIU präsentiert zum Auftakt der Messe Verkaufszahlen, die ihn zwar selbst von einem Boom in der gesamten Branche sprechen lassen, bei genauerem Hinsehen aber ein eher durchwachsenes Bild zeigen. So sei der Umsatz im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 550 Millionen Euro gestiegen. Allerdings wurden weniger Spiele für Computer und Konsolen verkauft. Das Wachstum ging den Zahlen zufolge vor allem auf das Konto der mobilen Spielekonsolen.

"Wir freuen uns nun auf das Weihnachtsgeschäft", sagt BIU-Geschäftsführer Wolters. Dann müssen sich auch die neuen auf der Games Convention vorgestellten Spiele auf dem Markt beweisen. Der Optimismus in der Branche ist jedenfalls groß.

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