So schützen Sie sich

Darf man Ebay-Auktionen einfach abbrechen?

Berlin - Sie dürfen Ihre Versteigerung nicht ohne Weiteres vorzeitig beenden! Der Bundesgerichtshof hat gerade entschieden: Wenn Sie eine Auktion ohne guten Grund stoppen, hat der momentane Höchstbieter das Recht, die Ware zu dem von ihm gebotenen Preis zu erhalten.

Im konkreten Fall ging es um einen Ebay-Nutzer aus Thüringen, der einen gebrauchten VW Passat (Marktwert: 5250 Euro) zum Mindestgebot von einem Euro bei Ebay eingestellt hatte. Ein Mann bot genau diesen einen Euro. Danach stoppte der Verkäufer das Angebot, weil ein Käufer außerhalb von Ebay 4200 Euro zahlen wollte. Der Ebay-Bieter verklagte den Passat-Besitzer und bekam nun in letzter Instanz Recht. Durch das Ein-Euro-Gebot, so der BGH, sei bereits ein Vertrag zustande gekommen. Nun muss der Verkäufer des VW 5250 Euro Schadenersatz bezahlen.

Gibt es Ausnahmen?

Ja, diese Ausnahmen regelt Ebay in seinen AGB ganz genau: wenn der Artikel beschädigt, zerstört oder gestohlen wurde, wenn Sie herausgefunden haben, dass Sie die Ware aus rechtlichen Gründen gar nicht verkaufen dürfen oder wenn Sie beim Einstellen des Artikels einen Fehler gemacht haben. Anwälte empfehlen: Lassen Sie sich eine gute, glaubwürdige Geschichte einfallen! Denn diese Bestimmungen, die Sie unter pages.ebay.de/help/sell/end_early.html finden, sollten Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Im Online-Auktionshaus sind nämlich jede Menge sogenannte Abbruchjäger unterwegs. Diese berühmt-berüchtigten Ebay-Spezialisten lauern nur auf Versteigerungen, die nicht gut laufen, und bieten dann einen geringen Preis, meist einen Euro. Sobald der Verkäufer die Auktion abbricht, pochen sie auf ihr Recht. Auch der Passat-Käufer war offenbar so ein Abbruchjäger. Wenn Sie als Verkäufer in eine solche Situation kommen und es um viel Geld geht, sollten Sie sofort anwaltlich gegenüber dem Käufer den Kaufvertrag anfechten.

Wie wehre ich Schnäppchenjäger ab?

Hierfür haben Sie zwei Möglichkeiten. Zunächst können Sie Ihre Ware zu einem höheren Startpreis einstellen. Angst vor hohen Angebotsgebühren müssen Sie dabei nicht haben. Denn als Privatverkäufer können Sie bei Ebay bis zu 20 Artikel im Monat kostenlos anbieten – egal, wie hoch der Startpreis ist. Aber: Mit einem höheren Preis ziehen Sie natürlich weniger Bieter an als mit einem Ein-Euro-Schnäppchen. Alternative ist der Mindestpreis, den Sie beim Einstellen des Artikels angeben können. Sie starten also mit einem Euro – legen aber fest, dass Sie beispielsweise Ihr Auto erst ab 4000 Euro verkaufen wollen. Die Bieter erfahren diese Zahl nicht. Sie sehen nur, dass der Mindestpreis noch nicht erreicht ist. Wenn am Ende der Auktion also nur 3500 Euro stehen, behalten Sie Ihr Auto, bezahlen auch keine Verkaufsprovision an Ebay. Nur für den Mindestpreis zahlen Sie eine Gebühr – und zwar auch dann, wenn er nicht erreicht wird. Normalerweise beträgt die Gebühr drei Prozent des festgelegten Mindestpreises und maximal 150 Euro. Bei Autos sind es sogar nur 19,99 Euro. Für diese kleine Summe hätte sich der Passat-Verkäufer viel Ärger und Geld sparen können. Es lohnt sich also, den Ebay-Gebühren-Dschungel genau zu durchforsten.

Jörg Heinrich

Rubriklistenbild: © dpa

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