"Das verlorene Semester"

- Sie sollen im kommenden Frühjahr das Physikum schreiben, doch statt Lerneifers wächst bei einigen Medizin- Studenten der Ludwig- Maximilians-Universität (LMU) im Augenblick der Ärger. Der Medizin-Nachwuchs im vierten Semester, dem letzten, das nach alter Approbationsordnung ausgebildet wird, klagt über ausfallende Lehrveranstaltungen und organisatorisches Chaos. Die Medizin-Fakultät weiß von den Problemen, schiebt den Schwarzen Peter aber weiter.

<P>Mit dem Anlaufen des an der neuen Ärztlichen Approbationsordnung ausgerichteten Medizin-Studiums "MeCuM" im Wintersemester 2003 hätten für die nach alter Studienordnung Lernenden die Probleme angefangen, berichtet ein Student aus dem vierten Semester. Während die vierstündige Histologie- Vorlesung im Studienhalbjahr 2003/ 2004 ganz ausgefallen sei, habe die "Anatomie des Bewegungsapparats" nur in "abgespeckter Form" ab Mitte des Semesters stattgefunden. </P><P>Im nächsten Semester ein ähnliches Bild: Die Psychologie-Vorlesung fand nicht statt, wohl aber die entsprechende Klausur. "Da kommt dann ein Gefühl der Benachteiligung auf", ärgert sich der Student. "Vor allem, wenn man sieht, dass die MeCuM-Leute zum Beispiel zwei Vorlesungen in Neuro-Physiologie bekommen, und wir keine." "Wir sind so etwas wie das verlorene Semester", pflichtet ein anderer Student bei. Mehrmals hätten Hörsäle voller ratloser Ärzte in spe vergeblich auf Dozenten gewartet - weil die Vorlesung unangekündigt gestrichen worden war. An den Instituten herrsche indes ebenfalls oft Ratlosigkeit. "Man hat den Eindruck, die haben sich vorher keine Gedanken gemacht, wie das laufen soll", so sein Kommilitone. Auch in Internet-Foren äußern viele ihren Frust. Unter www.fachschaft-medizin. de ist etwa vom "MeCuMFlop" die Rede.</P><P>Medizin-Studiendekan Professor Bernd Sutor räumt die von den Studenten kritisierten Zustände ohne Umschweife ein. "Das liegt aber daran, dass wir vom Gesetzgeber beide Studiengänge vorgeschrieben bekommen." Die Universität sei nicht berechtigt, einfach weniger Studenten zuzulassen. Schon vor Beginn des neuen Medizin-Curriculums habe er sowohl Uni-Leitung als auch Staatsregierung vor der jetzt eingetretenen Situation gewarnt, betont Sutor. "Das Problem interessiert aber offenbar keinen." Um der Lage Herr zu werden, würden viele Dozenten Überstunden machen. "Ich selbst biete 28 zusätzliche Stunden Physiologie-Seminare über mein volles Deputat hinaus an", so Sutor. </P><P>Auch der Anatomie-Professor Reinhard Putz beteuert, dass an der LMU "Über- Menschliches" für die Medizin- Studenten getan werde. So habe etwa der für die bisherige Vorklinik obligatorische Präparierkurs in den Semesterferien stattgefunden, als "kompakter Block-Kurs mit Ganztags-Betreuung", wie Putz betont. In Anatomie seien die Studenten somit "eher besser" versorgt worden, so der Anatom. Eine Professorin habe dafür mehrmals auf ihren Urlaub verzichtet.</P><P> Zum Teil spielt Putz den Ball auch an seine Studenten zurück. Viele Hochschüler äußerten zwar eifrig Kritik über Mängel im Lehrangebot. "Wenn dann aber Vorlesungen über die gesamte Dauer des Semesters angeboten werden, ist der Besuch minimal."</P>

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