Das Erz im Datenberg

- Babywindeln und Bier haben kaum etwas gemeinsam. Außer dass beide auffällig oft zusammen in einem Einkaufswagen landen. Auf die Spur kam diesem Phänomen eine Supermarktkette bei der Warenkorbanalyse, der Auswertung der Kassendaten. Danach wurden beide Produkte so platziert, dass ein Kunde auf dem Weg zwischen Windeln und Bier an möglichst vielen anderen Artikeln vorbeikam und diese bestenfalls auch kaufte.

Der Computer erkennt Auffälligkeiten und Muster

"Data Mining" nennen Informatiker Methoden wie etwa die Warenkorbanalyse, mit deren Hilfe der Computer aus riesigen Mengen von Informationen automatisch Auffälligkeiten und Muster herauslesen kann - ohne dass dabei ein Mensch einzeln die Kassenzettel der Einkäufer lesen muss. "Wir graben in Bergen von Daten nach dem Relevanten, dem Erz gewissermaßen", veranschaulicht Professor Hans-Peter Kriegel, Lehrstuhlinhaber für Datenbanksysteme an der Ludwig-Maximilians-Universität.

"Data Mining" ist eine noch junge Anwendung in der Informatik. "Seit gut zehn Jahren gibt es immer mehr Geräte, die Riesen-Datenmengen liefern", sagt Kriegel. Scanner-Kassen zählen dazu, aber auch digitalisierte Röntgenbilder oder Erdbeobachtungssatelliten. Die allein senden täglich ein Terabyte an Informationen zur Erde - tausend Gigabyte.

So gewonnene Daten ungenutzt zu lassen, hält Kriegel für unverantwortlich. Schließlich bergen sie womöglich Informationen über Einsparpotenziale, die nur erschlossen werden müssen.

Kriegel denkt dabei etwa an die Automobil-Herstellung. Speichert der Computer Konstruktionsdaten aller bisher in einem Unternehmen gefertigten Bauteile, so lassen sich diese bei Entwurf und Herstellung neuer Teile verwenden. "Es ist billiger, die Daten miteinzubeziehen und so ein älteres Teil leicht zu modifizieren, als ein komplett neues zu konstruieren", sagt der Informatiker.

Auch in der Medizin kann das Graben nach Daten wichtig sein. Oft erinnere sich ein Arzt beim Anblick eines Computertomografie-Bildes (CT) an einen Patienten mit ähnlichem Befund, nicht aber an dessen Namen, sagt Kriegel. Der Computer könne in diesem Fall das CT-Archiv nach bestimmten Mustern durchsuchen, die dem aktuellen Bild ähneln. "Der Blick in die alte Krankenakte könnte dem Arzt Auskunft über den Heilungsverlauf oder mögliche Komplikationen in einem ähnlichen Fall liefern."

Dass der Computer den Menschen so einmal in vielen Bereichen ersetzen wird, schließt der Informatiker aber aus: "Er kann besser als wir große Datenmengen handhaben, aber kreativ sein und Entscheidungen treffen wird immer der Mensch."

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