Datenschutz-Streit

Facebook hält Wiener Gericht nicht für zuständig

Wien - Es ist ein Prozess mit möglicher Sprengkraft. Aber wie brisant die Musterklage eines Datenschutz-Aktivisten gegen Facebook wird, ist noch unklar. Zum Auftakt gab es Streit ums Grundsätzliche.

Der österreichische Datenschutz-Aktivist Max Schrems will mit einer Musterklage gegen das Online-Netzwerk Facebook vorgehen. Doch nun muss geklärt werden, ob das Landgericht Wien überhaupt für den Fall zuständig ist. Facebook hat das zu Beginn der Verhandlungen vehement bestritten.

„Es ist der beispiellose Versuch des Klägers, Österreich zu einem Gerichtsstand für eine globale Sammelklage im US-Stil gegen eine ausländische Beklagte zu machen“, kritisierte Anwalt Nikolaus Pitkowitz. Der 27-jährige Schrems hatte in Wien eine Schadenersatzklage gegen den US-Konzern eingereicht, weil er europäische Datenschutz-Regeln verletzt sieht.

Zum Auftakt ging es zunächst allein um die Frage, ob Schrems wirklich als Verbraucher auftritt. Facebook bezweifelt das. „Der Kläger ist kein Verbraucher“, sagte Pitkowitz. Vielmehr führe Schrems als Buchautor und gefragter Gast bei Diskussionen die Klage in „eigenem beruflichen und unternehmerischen Interesse“.

Max Schrems klagt gegen Facebook.

Die Rolle als Verbraucher ist zentral für den Gerichtsstand. Nur ein Verbraucher hat das Recht auf ein Gerichtsverfahren in seiner Heimat. Sonst muss in Irland geklagt werden, am Konzernsitz von Facebook-Europe. Dort sind die Prozesskosten sehr hoch. „In Irland bin ich in 25 Jahren nicht durch. Das ist zeitlich und finanziell nicht tragbar“, sagte Schrems vor Gericht. Er sieht das Vorgehen des US-Konzerns, dessen Geschäftsmodell auf dem Sammeln und Vermarkten von Daten über seine Nutzer basiert, als „Verzögerungstaktik“.

Schrems betonte, er lebe keineswegs von seinen Aktivitäten gegen Facebook. „Er brennt und lebt für die Sache, aber er lebt nicht davon“, sagte sein Anwalt Wolfram Proksch. Es gehe seinem Mandanten ausschließlich darum, dass Facebook sich um den Datenschutz kümmere. Er habe im Zusammenhang mit Auftritten zu Facebook noch nie Geld genommen, bekräftigte Schrems.

Schrems hat die Klage im Namen von sieben weiterer Aktivisten eingebracht. Außerdem haben weltweit 25 000 Menschen ihre Interessen an die klagende Gruppe abgetreten, ohne bereits offiziell zu den Klägern zu gehören. 50 000 weitere Facebook-Nutzer stehen laut Schrems auf einer entsprechenden Warteliste.

Richterin Margot Slunsky-Jost will ihre Entscheidung über die Zuständigkeit der Gerichts in den nächsten Wochen schriftlich mitteilen. Schrems geht davon aus, dass der Prozess noch in eine höhere Instanz gehen wird.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nokia 3310 ist zurück: Ab wann es das Kulthandy zu kaufen gibt
Barcelona - Beim Mobile World Congress in Barcelona wurde das neue, alte Nokia 3310 vorgestellt. Wir sagen Ihnen, was das Nokia 3310 alles kann und worauf Sie verzichten …
Nokia 3310 ist zurück: Ab wann es das Kulthandy zu kaufen gibt
Kostenlose App für Bahnpendler gegen Warte-Frust 
Baustellen, Langsamfahrstrecken, Zugausfälle - um davon nicht böse überrascht zu werden, können Pendler und Bahnfahrer regional schon seit einiger Zeit auf den …
Kostenlose App für Bahnpendler gegen Warte-Frust 
Millionen Google-Smartphones bekommen virtuelle Realität
Barcelona - Bisher sind nur wenige Android-Telefone mit der Google-Plattform "Daydream" für die Anzeige virtueller Realität nutzbar. Doch das soll sich schnell ändern.
Millionen Google-Smartphones bekommen virtuelle Realität
Dieses Notfall-Update sollten Windows-Nutzer sofort installieren
Berlin - Das Internet ist voller Gefahren. Daher versuchen Softwareanbieter, regelmäßig vorhandene Sicherheitslücken zu schließen. Für zwei Programme hat auch Microsoft …
Dieses Notfall-Update sollten Windows-Nutzer sofort installieren

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare