Die decodierte Weiblichkeit

- Das X-Chromosom ist entschlüsselt und Münchner Wissenschaftler waren daran beteiligt: Professor Alfons Meindl und Juliane Ramser, beide am Frauenklinikum rechts der Isar (Technische Universität) den Strukturen des X-Chromosoms auf der Spur, haben mit mehreren internationalen Gruppen in der Fachzeitschrift "Nature" eine fertig gestellte DNA-Sequenz des menschlichen X-Chromosoms publiziert.

<P>Eigentlich ist es ein alter Hut: Männer sind anders als Frauen. Während Erstere ein X- und ein Y-Chromosom aufweisen, sind die Frauen durch zwei X-Chromosome charakterisiert. Das ist zwar ein gewaltiger biologischer Unterschied, erklären tut das aber noch lange nicht alles. Denn wo kommt dieses X-Chromosom eigentlich her und was für Gene trägt es, fragen sich Forscher wie der Tumorgenetiker Alfons Meindl, dessen Arbeit vom Humangenomprojekt gefördert wird. Es geht um Gene, die, wenn doppelt vorhanden, eine Frau "produzieren," und die bei einem Defekt Männer stärker betreffen als Frauen (Männer tragen nur ein X-Chromosom). <BR><BR>Die Analyse der so genannten Geschlechts-Chromosomen des Menschen, verspricht neue Erkenntnisse im großen Rätsel Mensch.<BR><BR>Das X-Chromosom trägt 1100 Gene</P><P>Denn die Ergebnisse einer so genannten Gen-Kartierung (die Bestimmung von Größe und Ort einzelner Gene und Gen-Gruppen auf einem Chromosom) tragen einerseits zum Verständnis der Evolution bei, andererseits sind solche Kartierungen für die Erforschung von Erbkrankheiten unerlässlich. <BR><BR>Kein Wunder also, dass vier deutsche Forschergruppen und drei Genomzentren aus England und Amerika mehr als zwölf Jahre Forschungsarbeit investierten, um das, was die Frau doppelt in den Zellen trägt, zu analysieren: Das X-Chromosom trägt knapp 1100 Gene und in diesen schlummert viel Information: "Nur etwa vier Prozent aller menschlichen Gene sind im X-Chromosom lokalisiert", so Meindl. Seit 1990 forscht der Biologe, damals noch an der Ludwig-Maximilians-Universität, am Chromosom. "Wir haben noch lange nicht jede Einzelheit analysiert", berichtet er, "und haben schon wieder Strukturen lokalisiert, die wir noch nicht zuordnen können!" <BR><BR>Das X-Chromosom sei zwar eines der genärmsten unserer insgesamt 46 Chromosomen, sagt der Forscher, aber überdurchschnittlich viele Erbkrankheiten seien mit ihm verbunden: Etwa das Gen, das bei einem Defekt die Augenkrankheit Retinitis pigmentosa hervorruft, die zur Erblindung führen kann.<BR><BR>"Überdurchschnittlich viele Männer sind doof"</P><P>Bemerkenswert ist auch, dass auf dem X-Chromosom viele Gene liegen, die im Gehirn aktiv werden. "Überdurchschnittlich viele Männer sind blöd", lacht Professor Meindl und erklärt, dass kognitive Retardierung (reduzierte Intelligenz) bei Söhnen deswegen häufiger auftaucht, weil diese nur ein X-Chromosom besitzen und Frauen den Defekt durch das zweite X-Chromosom auffangen: "Eines dieser X-Gene ist zudem eigentlich in der Niere aktiv. Trotzdem ruft die kleinste Mutation dieses Gens Abweichungen im Gehirn hervor! Diese gilt es jetzt zu erforschen", so Alfons Meindl.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Newsletter in RSS-Feed umwandeln
Wer im Internet auf dem Laufenden bleiben will, abonniert Newletter verschiedener Dienstleister. Weil viele User sie aber per E-Mail erhalten, fehlt ihnen oftmals die …
Newsletter in RSS-Feed umwandeln
Zwei neue APS-C-Kameras von Fujifilm
X100F und X-T20 - So heißen die zwei neuen Kameramodelle, die Fujifilm im Februar in den Handel bringt. X100F ist die jüngste Generation der Kompaktkameraserie X, X-T20 …
Zwei neue APS-C-Kameras von Fujifilm
3D-Städteansichten in Windows 10 abrufen
Kartendienste ermöglichen eine bessere Orientierung. Wer eine Gegend nicht kennt, kann sie sogar von oben in einer 3D-Ansicht studieren. Diese Funktion steht auch Usern …
3D-Städteansichten in Windows 10 abrufen
Darum sollten Sie diese beliebte Foto-App nicht nutzen
München - Die App „Meitu“ bietet besondere Möglichkeiten der Bildbearbeitung. Die sozialen Medien toben sich damit gerne aus. Doch für die neuen Filter zahlt man einen …
Darum sollten Sie diese beliebte Foto-App nicht nutzen

Kommentare