Deutsche Superhirne im Forschungs-Exil

- Nach mehr als sechs Jahren im amerikanischen Forschungsexil gab Biomedizinerin Regina Götz ihrem Heimatland noch eine Chance. Die zierliche 40-Jährige war zu einem Bewerbungsgespräch für eine der neuen Juniorprofessuren an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt eingeladen. Ihre Qualifikationen, Forschungsprojekte an angesehenen Universitäten, passten perfekt auf das Bewerbungsprofil. Doch die Enttäuschung folgte auf dem Fuß. "In Wahrheit wollte der potenzielle neue Chef nur Ideen aus mir herausquetschen", sagt sie. Selbst den Flug musste sie selbst zahlen.

Reformen sollen Forscher zurückbringen

Das Schicksal von Regina Götz ist kein Einzelfall: Jährlich gehen etwa 1000 deutsche Nachwuchswissenschaftler mit einem Stipendium einer deutschen Organisation an eine amerikanische Universität. Etwa ein Viertel von ihnen bleibt. Knapp 20 000 deutsche Forscher leben und arbeiten in den Vereinigten Staaten. Darunter einige der Besten wie Star-Gen-Forscher Thomas Tuschl und Molekularbiologe und Nobelpreisträger Günter Blobel.

Das Phänomen, Brain drain genannt, was etwa "Abzug der Superhirne" bedeutet, existiert verstärkt seit den 90er-Jahren. Einer der Gründe: "In Amerika ist eine Hochschulkarriere viel planbarer als in Deutschland", erzählt Professor Martin Kern, Sinologe an der Universität Princeton. Das Prinzip des Tenure track, das Post-Doktoranden, die sich bewähren, eine Anstellung auf Lebenszeit in Aussicht stellt, ist in Deutschland relativ neu, in Amerika gang und gäbe.

Neue Einrichtungen wie die Juniorprofessur, Nachwuchsgruppenleiterprogramme oder das knapp zwei Milliarden schwere Exzellenz-Programm sollen nun das Phänomen des Brain drains in einen Brain gain (Zuzug von Superhirnen) verwandeln. Die Aufgabe, die frohe Botschaft in den USA zu verbreiten, haben die deutschen Forschungsgemeinschaften (DAAD, DFG und Alexander-von-Humboldt-Stiftung) Katja Simons übertragen. Von ihrem Büro im schicken New Yorker United Nations-Plaza aus leitet die Soziologin seit zwei Jahren GAIN (German Academic International Network). "Ich bin sehr optimistisch, dass wir viele deutsche Forscher zur Rückkehr bewegen können", sagt Simons. Ihre Mittel: Newsletter und Tagungen, in denen sie über die neuen Entwicklungen in Deutschland berichtet.

Die Abgewanderten reagieren skeptisch: "Die Hochschulreform reicht nicht aus, um uns zur Rückkehr zu bewegen", sagt Ansgar Reiners, Astrophysiker an der kalifornischen Berkeley-Universität. Um seine Forderungen durchzusetzen, hat er die deutsch-amerikanische Initiative "Zukunft Wissenschaft" gegründet. "Wir fordern flexiblere Beschäftigungsstrukturen, transparente und zügige Berufungsverfahren, eine einheitliche Anerkennung akademischer Leistungen und eine bessere finanzielle Ausstattung", sagt Reiners.

Wissenschaftler fordern zügige Berufungen

Die Forderungen der jungen Wissenschaftler wurden ernst genommen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan sagte prompt ihre Hilfe zu. Doch gegen die Korruption im deutschen Forschungsdschungel helfen auch neue Finanzmittel nicht. "Auf einer Infoveranstaltung von GAIN in New York habe ich einen Leiter des neuen Masterprogrammes gefragt, wie die Chancen auf Aufnahme in eines der neuen Exzellenz-Programme aussehen", sagt eine in Amerika lebende Wissenschaftlerin, die unerkannt bleiben möchte. "Ich bekam zur Antwort, dass weniger die wissenschaftliche Leistung als die Zugehörigkeit zu deutschen Netzwerken eine Rolle spielt." Wirklich exzellente Leute seien im Exzellenz-Programm nicht gefragt.

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