Deutschland in Europa führend

- Bonn - Gut jeder vierte deutsche Haushalt verfügt inzwischen über einen Breitbandanschluss DSL für einen schnellen Internetzugang. Allein im Jahr 2005 seien 3,6 Millionen neue DSL-Anschlüsse geschaltet worden, teilte die Bundesnetzagentur in ihrem Jahresbericht in Bonn mit.

Insgesamt gab es damit Ende 2005 rund 10,4 Millionen DSL-Zugänge in rund 27 Prozent (2004: 17 Prozent) aller Haushalte. Deutschland sei hiermit in Europa führend. Auch insgesamt sei der deutsche Telekommunikationsmarkt mit Innovationen wie einem internetbasierten TV und Investitionen etwa in neue Breitbandstrukturen im Aufwind, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. Das weitere Wachstum sei "ein Motor für die gesamte deutsche Wirtschaft".

Vor allem bei neuen Plattformen für die gebündelte Nutzung von Telefon, Internet und Fernsehen ("Triple Play") gebe es große Wachstumschancen. Der Endkunde müsse dabei aber eine Auswahlfreiheit unter Angeboten haben, sagte Kurth. Ein Wettbewerb zwischen Kabelbetreibern und Telefongesellschaften sei zu begrüßen. Dafür müsse es Transparenz und einen verbindlichen Rahmen geben.

In den Streit um das geplante Glasfaser-Hochgeschwindigkeitsnetz der Deutschen Telekom ist nach Einschätzung Kurths Bewegung gekommen, doch der Bonner Konzern muss weiter um die geplante Befreiung von der Regulierung bangen. Die Telekom will mit der Errichtung des Glasfasernetzes (VDSL) für deutlich schnellere Übertragungsraten und Internetzugänge in den 50 größten deutschen Städten sorgen.

Die von der Bundesregierung geplanten gesetzlichen Regelungen für eine befristete Befreiung von einer Regulierung werden sich nach Angaben aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen in Berlin verzögern. Die Novelle werde nicht mehr wie geplant vor der Sommerpause verabschiedet. Grund sei der Konflikt zwischen Berlin und Brüssel, das sich gegen eine Befreiung positioniert hat. EU-Kommissarin Viviane Reding hatte mit rechtlichen Schritten gedroht, falls die Bundesregierung an ihren Plänen festhalte. Ungeachtet der Verzögerung will die Telekom nach Angaben eines Sprechers bereits zur Fußball-WM im Sommer zehn Städte mit dem Netz versorgen.

Die Telekom sondiere zur Zeit in freiwilligen Gesprächen mit Wettbewerbern, wie diese möglicherweise einbezogen werden könnten, sagte Kurth. Angesichts eines Investitionsvolumens von rund drei Milliarden Euro will die Telekom dafür eine Befreiung von der Regulierung, um sich damit in einer neuen Monopolsituation unter Wettbewerbsschutz auf einem "neuen Markt" zunächst "Pioniergewinne" zu sichern.

Mit dem Glasfasernetz will die Telekom auch die Infrastruktur für "Triple-Play"-Angebote schaffen. Ende 2005 gab es in Deutschland bei diesem kombinierten Angebot für Telefon, Internet und TV/Video nach Angaben der Netzagentur nur etwa 150 000 Kunden. Es sei aber in den nächsten Jahren mit einem dynamischen Wachstum zu rechnen, sagte Kurth. Bei "Triple Play" von einer einzigen Plattform müsse der Kunde nicht mehr mehrere Anschlüsse bezahlen, etwa einen DSL- und einen Kabel-TV-Anschluss. Ende 2005 nutzten erst 240 000 Kunden das Internet über Kabelmodem.

Vor allem der Einstieg der Telefongesellschaften und die Übertragung von Internet-TV in HDTV-Qualität, der in diesem Jahr beginnen soll, werde neue Chancen für den Wettbewerb zwischen Kabelgesellschaften, Telefonunternehmen und Inhalteanbietern eröffnen, sagte Kurth. Die Entwicklung mit den absehbaren Problemen bei Zugangsberechtigungs- und Verschlüsselungssystemen würden auch für die Prüfbehörden zu neuen Herausforderungen führen.

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