Deutschland rüstet für Digital-TV auf allen Kanälen

- Stuttgart/Nürnberg - Digital soll es sein, das Fernsehen der Zukunft. Seit Jahren tüfteln Medienkonzerne und Elektronik-Hersteller an der schönen neuen Welt. Angekommen sind in ihr erst wenige Zuschauer. 2010 soll es nach dem Willen der Bundesregierung nur noch digitales Fernsehen in Deutschland geben - über Kabel oder Satellit, via Telefonleitung oder Antenne.

<P>Wer sich und seine Empfangsgeräte bis dahin nicht auf die neue Technik eingestellt hat, schaut in die Röhre. Die CeBIT in Hannover informiert vom 12. bis 19. März, wie das verhindert werden kann - und gibt damit einen Vorgeschmack auf die Berliner Funkausstellung im Herbst.</P><P>Nach Branchenangaben empfangen heute zehn Prozent der Haushalte in Deutschland Digital-Fernsehen - zumeist über Satellit. Betreiber von Kabelnetzen bemühen sich, ihre Leitungen flott zu machen. Der US- Investor Callahan etwa, der im September 2001 Baden-Württembergs TV- Kabelnetz aufgekauft hatte, will in diesem Frühjahr erste digitale Angebote einspeisen. Senderchefs hoffen, durch die Aufrüstung der Kabelnetze und die Einführung von digitalem Antennenfernsehen (DBV-T) 2008 jeden zweiten Haushalt mit digitalen Angeboten zu erreichen.</P><P>Nicht nur mehr Programme in besserer Ton- und Bildqualität sollen künftig geboten werden, sondern auch Mitmach-Angebote bei laufenden Sendungen oder die Möglichkeit zur Online-Einkaufstour. "Wer zum Beispiel ein Fußballspiel verfolgt, könnte sich die Schuhgröße des Torschützen anzeigen lassen und die Fußballstiefel gleich per Internet bestellen", erläutert Roland Stehle von der MHP MarCom Group in Nürnberg. Die Multimedia Home Platform (MHP) soll digitales Fernsehen in Europa Internet-tauglich machen.</P><P>Einen Vorgeschmack auf interaktives TV gab die ARD im Dezember mit einer MHP-Version der Politik-Talkshow "Christiansen". Dabei konnten sich die Zuschauer während der Sendung in die Diskussion einschalten und bekamen am heimischen Bildschirm Fachbegriffe erklärt. "Bis digitales Fernsehen ein echter Markt wird, werden aber noch zwei bis drei Jahre vergehen", vermutet der Geschäftsführer der User Interface GmbH in Ludwigsburg, Franz Koller, dessen Softwarefirma die interaktive "Christiansen"-Show technisch möglich machte.</P><P>Die Zuschauer müssen investieren, ehe die digitale Vielfalt über ihre Bildschirme flimmert: 200 bis 500 Euro kostet derzeit beispielsweise ein Decoder für den Hausempfang des digitalen Antennenfernsehens, das seit November in Berlin getestet wird. Eine bleistiftgroße Stabantenne für mobile Geräte soll digitalen Fernsehgenuss fast überall möglich machen - im Garten, am Badesee oder auf dem Autobahn-Rastplatz. Doch blinde Flecken werden nach Einschätzung von Experten vor allem in bergigen Landstrichen bleiben.</P><P>Keine Übertragungsprobleme verspricht hingegen schon jetzt ein weiterer Zugang zum digitalen Schlaraffenland: die Digital Subscriber Line, kurz DSL. Über herkömmliche Telefonkabel schafft DSL einen schnellen Zugriff auf Film und Fernsehen in digitaler Qualität. Nach Angaben von Jaroslav Blahna vom Telekommunikationsausrüster Alcatel Deutschland, könnten 90 Prozent der Haushalte in der Republik DSL nutzen. Doch erst 8 Prozent tun es - unter anderem im Großraum Hamburg. Bei der CeBIT will Alcatel mit neuen Online-Spielen und verbesserten Zugriffsmöglichkeiten auf digitale Filme - so genannte Video-on-Demand-Dienste - werben. "Bei DSL ist jeder sein eigener Programmchef", preist Blahna die Vorzüge.</P><P>Doch mancher warnt bereits vor Schattenseiten der schönen neuen Digital-Welt. "Ich sehe die Radio- und TV-Vielfalt durch die Digitalisierung gefährdet, denn die Umstellung erfordert Geld, Anstrengung und einen langen Atem", sagt Walter Berner von der baden- württembergischen Landesanstalt für Kommunikation. "Damit tun sich gerade lokale Veranstalter schwer."</P><P> </P>

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